Landwirtschaftsausschuss diskutiert Tätigkeitsbericht der AMA-Marketing

Mutenthaler-Sipek: „Tierhaltung plus“ hat deutliche Auswirkungen auf Tierwohl, Ausbau des Bio-Segments schleppend

Anhand des Tätigkeitsberichts der AMA-Marketing GesmbH aus dem Jahr 2025 (III-354 d.B.) diskutierten die Abgeordneten des Landwirtschaftsausschusses des Nationalrats heute über das System der Gütesiegel. Vor allem die Abgeordneten der ÖVP sahen deutliche Vorteile für die heimische Landwirtschaft durch die Marketing-Organisation, um den Marktanteil von Lebensmitteln aus heimischer Produktion zu sichern. Kritisch beurteilten hingegen die Abgeordneten der FPÖ die Rolle der AMA-Marketing. Ein Antrag der FPÖ, den Bericht auch im Plenum des Nationalrats zu debattieren, wurde nur von den Freiheitlichen und den Grünen unterstützt und blieb damit in der Minderheit. Der Bericht wurde mehrheitlich, ohne die Stimmen der FPÖ-Abgeordneten, zur Kenntnis genommen.

Als Auskunftsperson war die Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek in den Ausschuss eingeladen worden. Sie berichtete über die Weiterentwicklung und Stärkung des AMA-Gütesiegels. Im Vorjahr habe das AMA-Biosiegel einen besonderen Schwerpunkt der Arbeit der AMA-Marketing gebildet. Positiv ausgewirkt habe sich das neue Modul des Gütesiegels „Tierhaltung plus“, das vor allem Milchkühen mehr Bewegungsfreiheit sichere. Was den Anteil der Bio-Produkte im Sortiment betreffe, so entwickle er sich vor allem im Bereich der Fleischprodukte nur sehr langsam.

HOHE KONTROLLDICHTE DER AMA-MARKETING SICHERT VERTRAUEN

Die AMA-Marketing GesmbH sei eine 100-prozentige Tochter der AMA (Agrarmarkt Austria) und leiste einen unschätzbaren Beitrag für die Qualitäts- und Herkunftssicherung bei heimischen Lebensmitteln, unterstrich Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig in einem einleitenden Statement. Damit sei es gelungen, das AMA-Gütesiegel fest im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. In keinem anderen Land gebe es ein eine vergleichbare Organisation, um die Arbeit der Landwirtschaft zu unterstützen.

Geschäftsführerin Mutenthaler-Sipek sagte, sie freue sich, dass die AMA-Marketing dem Wunsch der Abgeordneten entsprechen habe können, ihre Tätigkeitsberichte rasch vorzulegen. Sie könne daher nur wenige Monate nach dem Bericht über 2024 bereits über das Geschäftsjahr 2025 berichten. Das Vorjahr sei vor allem darauf ausgerichtet gewesen, die Qualitäts- und Herkunftssicherung entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter auszubauen und das AMA-Gütesiegel in neuen Produktgruppen zu etablieren. AMA-Produkte gebe es nun über die gesamte Palette der Grundnahrungsmittel hinweg, zeigte sich Mutenthaler-Sipek zufrieden.

Die AMA-Marketing habe 2025 über 32,96 Mio. Ꞓ für ihre Tätigkeit verfügen können. Insgesamt seien 51.700 Erzeugerverträge zum AMA-Gütesiegel mit Landwirtinnen und Landwirten abgeschlossen. Weiters gebe es 5.100 Lizenznehmer der AMA-Gütesiegel-Programme, führte Mutenthaler-Sipek aus.

2025 habe man 35.063 Kontrollen zur Qualitätssicherung durchgeführt. Bei Abweichungen oder Mängeln finde eine entsprechende Sanktionierung statt. Die hohe Anzahl an Kontrollen sei unter anderem auf die Einführung des AMA-Gütesiegel-Moduls „Tierhaltung plus“ im Milchbereich zurückzuführen. Eine hohe Prüfungsintensität und die Regelkonformität der Betriebe stärke das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in die AMA-Qualitätsprogramme.

FPÖ-Abgeordneter Alois Kainz wollte wissen, wie der Entzug eines Gütesiegels ablaufe und ob Betriebe dieses auch wieder zurückerhalten können. Mutenthaler-Sipek betonte, es sei nicht im Interesse der AMA-Marketing, Betrieben ein Gütesiegel zu entziehen. Nur in seltenen Einzelfällen würd Erzeugerverträge beendet, oft aus privaten Gründen. Vielmehr gehe es darum, Mängel und die Möglichkeiten ihrer Behebung aufzuzeigen. Hier seien die Betriebe im Allgemeinen sehr kooperativ. Das Kontrollpersonal werde auch laufend geschult, damit Kontrollen möglichst wenig belastend für alle Beteiligten ablaufen könnten. Eine wesentliche Weiterentwicklung sei hier durch Digitalisierungsschritte gelungen. Auf dem AMA-Kundenportal „Mein Gütesiegel“ seien alle für Kontrollen und Dokumentation notwendigen Dokumente online verfügbar. Im Getreidebereich gebe es unterdessen nur mehr digitale Abschlüsse von Erzeugerverträgen.

Auf die Anmerkungen des FPÖ-Abgeordneten Albert Royer zum notwendigen Bürokratieabbau der AMA merkte Mutenthaler-Sipek an, dass die AMA-Marketing sich einer ständigen Aufgabenkritik unterziehe und auf effiziente Prozesse achte. So sei die Organisationsstruktur verschlankt und eine automatisierte Kontrollkostenverrechnung eingeführt worden, die eine effizientere und fehlerresistente Abwicklung der Förderungen ermögliche.

„TIERHALTUNG PLUS“ SICHERT BEWEGUNGSFREIHEIT FÜR MILCHKÜHE

Ein „wesentlicher Meilenstein für mehr Tierwohl“ wurde laut Mutenthaler-Sipek vor zwei Jahren mit der Implementierung des Moduls „Tierhaltung Plus“ gesetzt. Diese lege Kriterien für die Haltung von Kühen, vor allem von Milchkühen, fest. Hier sei eine erste, positive Zwischenbilanz möglich. Im Jahr 2025 hätten bereits 14.000 Betriebe – rund 82 % der konventionellen Milchviehbetriebe – am AMA-Gütesiegel-Modul „Tierhaltung plus“ bzw. am Modul „Tierhaltung plus Außenklima“, bei dem die Tiere ganzjährig Bewegungsfreiheit hätten, teilgenommen.

Eine kritische Sicht auf „Tierhaltung plus“ kam in den Fragen der Freiheitlichen zum Ausdruck. Die FPÖ-Abgeordneten Albert Royer und Peter Schmiedlechner meinten übereinstimmend, die starke Teilnahme am neuen Modul sei nur bedingt als Erfolg zu werten, da sie in erster Linie das Ergebnis eines Zwangs sei. Die Landwirtinnen und Landwirte würden von den Molkereien im Rahmen der Abnahmeverträge faktisch zur Teilnahme gezwungen, ohne dass sie finanzielle Vorteile hätten, meinte Royer. Dem widersprach Josef Hechenberger (ÖVP). Es sei gelungen, auch Kombinationsbetriebe mit teilweiser Anbindehaltung in „Tierhaltung plus“ zu integrieren und den teilnehmenden Betrieben gute Milchpreise zu sichern.

Andreas Kühberger (ÖVP) wollte wissen, wie die AMA sicherstelle, dass keine Futtermittel eingesetzt werden, die auf entwaldeten Urwaldflächen produziert wurden. Die AMA-Futtermittel-Richtlinie „pastus+“ regle die Herstellung von Einzel- und Mischfuttermitteln, sagte Mutenthaler-Sipek. Dabei berücksichtige man auch die EU-Vorgabe, keine Futtermittel von Entwaldungsflächen zu verwenden.

NEUE LINIEN BEI PFLANZLICHEN PRODUKTEN

Im Bereich der pflanzlichen Produkte habe die AMA-Marketing 2025 einen Fokus auf die Implementierung und praktische Umsetzung der neu eingeführten Richtlinien für Agrarhandel sowie für Mühlen und Backerzeugnisse gelegt, berichtete Mutenthaler-Sipek. Bei verarbeiteten Produkten sei zudem eine neue Produktkategorie für pflanzliche Drinks eingeführt worden, womit 2025 erstmals ein Haferdrink das AMA-Gütesiegel erhalten habe. Während es wenige Verschiebungen im Bereich der Alternativprodukte zu Fleisch gebe, zeige sich bei pflanzlichen Milchalternativen ein zwar noch kleines, aber rasch wachsendes Marktsegment. Die AMA-Marketing habe darauf mit Verträgen mit Futtermittelproduzenten, die auch Hafer anbauen, reagiert.

ANTEIL DER BIO-PRODUKTE STAGNIERT

Lisa Aldali (NEOS) entnahm dem Bericht, dass der Bio-Anteil von AMA-Gütesiegel-Produkten nicht gesteigert werden konnte. Sie wollte wissen, welche Hürden es gebe, Betriebe auf Bio-Produktion umzustellen. Abgeordnete Olga Voglauer (Grüne) fragte, was getan werde, um die Bio-Quote anzuheben. Vor allem bei Schweinefleisch zeige sich leider eine rückläufige Tendenz.

Grundsätzlich sehe man im Bio-Segment ein großes Potenzial für landwirtschaftliche Produkte aus Österreich, betonte Mutenthaler-Sipek. Vor allem bei Obst und Gemüse, insbesondere bei Erdäpfeln, sehe sie gute Chancen. Im Dezember 2025 sei die größte Kampagne zum neu positionierten AMA-Biosiegel seit Bestehen der AMA-Marketing gestartet worden. Diese stelle die Stärken des AMA-Biosiegels in Bezug auf Regionalität, Natürlichkeit und Vertrauenswürdigkeit ins Zentrum.

Schwieriger sei die Situation bei Fleischprodukten. Gerade bei Schweinefleisch zeige sich, dass die Kundinnen und Kunden sehr „preissensibel“ reagieren würden, berichtete Mutenthaler-Sipek. Der Anteil von Bio-Schweinefleisch sei grundsätzlich niedrig und zuletzt nochmals zurückgegangen. Umso wichtiger sei hier das AMA-Gütesiegel, um Billigimporten etwas entgegenhalten zu können. Gerade bei Grillgut müsse man sehr oft mit Billigangeboten konkurrieren. Daher habe man spezielle saisonale Kampagnen gestartet, um auf österreichische Qualitätsprodukte in diesem Bereich hinzuweisen. Ausbaupotenzial für Bio-Fleisch sehe die AMA-Marketing vor allem bei Geflügel.

Zur Steigerung des Bio-Anteils sagte Landwirtschaftsminister Totschnig, das Thema sei eng mit den Verhandlungen zur neuen GAP-Periode verbunden. Die EU wolle die GAP-Mittel kürzen, was aus Sicht Österreichs nicht in Frage komme, da die Ausgleichszahlungen ein wichtiger Faktor für die Sicherung der Bio-Landwirtschaft seien. Natürlich gebe es gewisse Hürden, Betriebe auf Bio-Produktion umzustellen, da diese mehr Kontrollen und Dokumentationspflichten nach sich ziehe und Investitionen erfordere. Hier biete das Landwirtschaftsministerium aber Beratung und Weiterbildung an. Sein Ressort sei grundsätzlich stolz auf den hohen Anteil an Bio-Landwirtschaft in Österreich und kommuniziere das auch immer wieder.

KOMMUNIKATION UND ORGANISATIONSENTWICKLUNG

Ihre Rolle als „Kommunikationshaus“ nach innen und nach außen werde die AMA-Marketing in verschiedener Weise gerecht, sagte Mutenthaler-Sipek. Sie hob die „Partnertage“ hervor, die eine wichtige Rolle spielten, um direkt mit Vertragspartnern und -partnerinnen ins Gespräch zu kommen. Erstmals habe man auch die Aktion gestartet, Lehrlinge aus dem Lebensmittelverkauf in landwirtschaftliche Betriebe zu bringen. Das sei sehr gut angenommen worden.

Vermehrt setze die AMA-Marketing auf die unterschiedlichsten Social-Media-Kanäle, um vor allem jüngere Zielgruppen anzusprechen. Mit diesem „Kommunikationsmix“ sei das Vertrauen in das AMA-Gütesiegel weiter gefestigt und seine Bekanntheit auf hohem Niveau gehalten worden, berichtete die AMA-Marketing-Geschäftsführerin. 9 von 10 Österreicherinnen und Österreicher würden das AMA-Gütesiegel kennen, knapp 80 % würden darauf vertrauen.

Zur Entwicklung der Organisation merkte Petra Tanzler (SPÖ) an, dass die AMA-Marketing nach wie vor einen niedrigen Frauenanteil in Spitzenpositionen habe. Mutenthaler-Sipek betonte, dass man sich des Themas bewusst sei und alles daran setze, Stellen mit qualifizierten Frauen zu besetzen.

Die Rolle der Sozialpartner und Fachvertretungen in der AMA-Marketing sei sehr wichtig, sagte Mutenthaler-Sipek in Richtung des SPÖ-Abgeordneten Rudolf Silvan. Der Erfolg der Arbeit der AMA-Marketing hänge nicht zuletzt davon ab, dass die Wünsche der Kundinnen und Kunden sich in den Kriterienkatalogen der AMA wiederfinden und auch von den beteiligten Branchen mitgetragen würden. (Fortsetzung Landwirtschaftsausschuss) sox

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