„Ohne Denkmal kein Gedenken“: HÖR sagt erstmals Gedenken am Ceija-Stojka-Platz ab
Die Hochschüler*innenschaft Österreichischer Rom*nja (HÖR) verzichtet heuer erstmals seit ihrer Gründung auf die jährliche Gedenkkundgebung am Ceija-Stojka-Platz in Wien Neubau. Mit diesem bewussten Schritt protestiert der erste Jugendverein der Volksgruppe gegen das jahrzehntelange Ausbleiben eines zentralen Denkmals für die im NS ermordeten Rom*nja und Sinti*zze in Wien.
Seit mehr als einem Jahrzehnt erinnern junge Rom*nja und Sinti*zze, Überlebende des Genozids sowie ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen jährlich am Ceija-Stojka-Platz an den nationalsozialistischen Völkermord, bei dem 90% der Volksgruppe der Roma ermordet wurden. Die HÖR beteiligt sich seit ihrer Gründung an diesem Gedenken und setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen.
„Heuer ist das anders. Heuer stehen wir nicht auf diesem Platz“, erklärt die HÖR.
Nach jahrelangem Einsatz von Organisationen wie der HÖR, sowie zahlreichen Aktivist*innen wurde der 2. August im Jahr 2024 vom Nationalrat als nationaler Gedenktag anerkannt. Bereits zum zweiten Mal begeht die Republik Österreich den Gedenktag mit einer offiziellen Kranzniederlegung durch den Präsidenten des Nationalrats. Die jüngste Generation der Volksgruppe prangert an, das Gedenken mit Walter Rosenkranz (FPÖ) sei unmöglich, weil dessen Partei von ehemaligen NS-Funktionären gegründet wurde.
Gleichzeitig kritisiert die HÖR, dass die Errichtung eines zentralen Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Rom*nja und Sinti*zze in Wien weiterhin aussteht. Trotz eines einstimmigen Nationalratsbeschlusses, trotz des beschlossenen Standorts vor dem Justizministerium auf Vorschlag der HÖR und trotz jahrelanger Forderungen der Volksgruppe und zivilgesellschaftlicher Initiativen sei das Denkmal bis heute nicht errichtet worden. Laut Nationalfonds sei die Fertigstellung der Gedenkstätte für 2029 geplant. “Wir sind nicht die erste Generation, die für ein Denkmal kämpfen muss. Die meisten Überlebenden des Genozids sind schon tot. Und Österreich hat unseren Vorfahren, die sie ermordet haben, nach über 80 Jahren noch immer kein Mahnmal in Wien gestellt”, so Martha Darvas, Vorstandsmitglied der HÖR. Aus diesem Grund verzichtet die Organisation heuer bewusst auf Reden und eine Kundgebung am Ceija-Stojka-Platz. Stattdessen befinden sich Aktivist*innen der HÖR am 2. August in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, wo sie der rund 500.000 ermordeten Rom*nja und Sinti*zze gedenken.
“Um vor einem Denkmal für unsere Toten stehen zu können, muss ich dorthin gehen, wo meine Familie ermordet wurde. In das KZ Auschwitz, das meine Urgroßmutter Ceija überlebt hat. Wozu sollen wir noch Reden halten auf ihrem Platz, wenn es in Wien immer noch kein zentrales Denkmal gibt? Es ist alles gesagt”, so Santino Stojka, Präsident der HÖR. Nicht nur die Gedenkpolitik wird kritisiert. Auch die Förderung junger Volksgruppenangehöriger sei prekär. Nach Angaben der Organisation wurde ihr jährliches Budget aus der Volksgruppenförderung heuer um über 80 Prozent gekürzt. Trotz der im BKA koordinierten Strategie zur Inklusion der Roma in Österreich, die auch die Stärkung der Jugend umfasst, verfüge der einzige Jugendverein der Volksgruppe derzeit über so geringe Ressourcen wie noch nie. Das führe dazu, dass der Verein sein Büro schließen und den Großteil seiner Aktivitäten und seiner Arbeit einstellen müsse.
Am Ceija-Stojka-Platz stellt die HÖR am 2.8.2026 ab 18 Uhr Kerzen für Passant*innen bereit, die als Zeichen des Gedenkens und gegen das Vergessen entzündet werden können. An die über 4.000 Rom*nja und Sinti*zze, die in der Nacht vom 2. auf den 3. August in Auschwitz ermordet wurden, wird außerdem im Stephansdom in Wien erinnert. Das Gedenken wird von zahlreichen Organisationen der Rom*nja und Sinti*zze veranstaltet.
Fotos können aus folgenden Link abgerufen werden.
Hochschüler*innenschaft Österreichischer Rom*nja
hoer.info@gmail.com
www.hoer-info.at
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