Niederösterreich bei Bürgermeisterinnen österreichweit an der Spitze – jüngste Ortschefin ist 32 Jahre alt
LR Teschl-Hofmeister: Mehr Frauen in der Politik stärken unsere Demokratie
Obwohl Frauen rund 51 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind sie in der Politik nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Besonders sichtbar wird dies auf kommunaler Ebene: Österreichweit stehen aktuell 247 Bürgermeisterinnen an der Spitze einer Gemeinde – das entspricht lediglich 11,8 Prozent aller Gemeinden. Niederösterreich nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein: Mit 99 Bürgermeisterinnen weist das Bundesland den höchsten Frauenanteil aller Länder auf. Die aktuellen Zahlen aus Niederösterreich zeigen, dass Frauen in der Kommunalpolitik zwar stetig aufholen, bis zu einer ausgewogenen Vertretung aber noch ein weiter Weg bleibt. Derzeit stehen in den 573 niederösterreichischen Gemeinden 96 Bürgermeisterinnen 477 Bürgermeistern gegenüber. Der Frauenanteil beträgt damit 16,75 Prozent. Bei den Vizebürgermeisterinnen liegt der Anteil bei 24,28 Prozent, bei den geschäftsführenden Gemeinderätinnen bei 24,75 Prozent und unter den Gemeinderätinnen bei 30,05 Prozent. Gegenüber Jahresbeginn ist in allen Funktionen ein leichter Anstieg der Frauenvertretung zu verzeichnen. „Niederösterreich zeigt, dass Frauen Verantwortung übernehmen und Gemeinden erfolgreich gestalten. Dennoch ist klar: Von einer gleichberechtigten politischen Teilhabe sind wir noch entfernt. Eine lebendige Demokratie braucht die Perspektiven und Erfahrungen von Frauen auf allen politischen Ebenen. Deshalb müssen wir bestehende Hürden weiter abbauen und Frauen gezielt ermutigen, politische Verantwortung zu übernehmen“, betont Frauen-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.
Lisa Schallauer aus Allhartsberg ist mit 32 Jahren aktuell die jüngste Bürgermeisterin in Niederösterreich. „Meine Motivation dieses ehrenvolle Amt auszuführen ist es, gemeinsam mit den Menschen in meiner Heimatgemeinde etwas zu bewegen und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Ich liebe es mit den Leuten zu arbeiten und für sie da zu sein. Als Mutter von zwei Kindern weiß ich, wie wichtig ein gutes Miteinander, der Rückhalt des Partners und der Familie und eine ausgewogene Balance sind, was mir auch im Bürgermeisteramt zugutekommt“, so Schallauer.
Trotz des Positivbeispiels Lisa Schallauer liegt ein wesentlicher Grund für die nach wie vor geringe Repräsentation von Frauen in den strukturellen Rahmenbedingungen. Laut einer Befragung des Österreichischen Gemeindebundes werden insbesondere die schwierige Vereinbarkeit von Familie und politischem Engagement, ein nach wie vor männlich geprägtes politisches Umfeld sowie mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als größte Hürden genannt. Hinzu kommen traditionelle Rollenbilder, die insbesondere im ländlichen Raum weiterhin stark verankert sind. Sorgearbeit wird nach wie vor zumeist den weiblichen Familienmitgliedern zugeschrieben. Auch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen diese Erfahrungen. Frauen in der Kommunalpolitik erleben häufiger höhere Belastungen, stärkere Kritik und strukturelle Hürden als ihre männlichen Kollegen. Umso wichtiger sei es, Frauen beim Einstieg in die Politik gezielt zu begleiten und zu vernetzen.
Ein wesentlicher Baustein dafür ist das überparteiliche Politik-Mentoring-Programm des Landes Niederösterreich. Erst im Februar wurde bereits der sechste Durchgang erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt nahmen diesmal 17 Mentoring-Tandems aus allen Regionen Niederösterreichs und vier unterschiedlichen politischen Parteien teil. Im Rahmen des halbjährigen Programms erhielten die Teilnehmerinnen Einblicke in alle politischen Ebenen – von der Gemeindepolitik bis zur Bundespolitik. Persönliche Mentorinnen begleiteten die Mentees beim Einstieg in die politische Arbeit und vermittelten wertvolle Erfahrungen aus der Praxis. Neben Besuchen im NÖ Landtag, im Parlament sowie Gesprächen mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister arbeiteten die Teilnehmerinnen auch an eigenen Projekten – vom Jugendraum über sichere Schulwege bis hin zu Angeboten für Seniorinnen und Senioren.
Besonders wertvoll bewerteten die Absolventinnen den Austausch untereinander sowie die Stärkung ihres Selbstbewusstseins. Themen wie Schlagfertigkeit, sicheres Auftreten und der Umgang mit Anfeindungen – insbesondere Hate Speech in Gemeinderatssitzungen oder auf Social Media – standen dabei im Mittelpunkt. Viele Teilnehmerinnen berichteten, dass sie sich nach Abschluss des Programms deutlich sicherer fühlen, öffentlich aufzutreten und politische Diskussionen zu führen.
„Politisches Engagement braucht Mut – und genau diesen Mut wollen wir stärken. Unser Mentoring-Programm zeigt seit Jahren, wie wichtig Vorbilder, Netzwerke und gegenseitige Unterstützung sind. Wenn Frauen sehen, dass andere diesen Weg erfolgreich gegangen sind, wächst auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Deshalb werden wir dieses erfolgreiche Programm fortsetzen und im kommenden Jahr den nächsten Durchgang ausschreiben“, kündigt Teschl-Hofmeister an.
Bereits im Herbst treffen sich erstmals die Absolventinnen aller sechs Mentoring-Durchgänge zu einem gemeinsamen Alumnae-Netzwerktreffen. Ziel ist es, den entstandenen Austausch langfristig zu stärken und Frauen in der Kommunalpolitik nachhaltig miteinander zu vernetzen.
Mehr Informationen zum NÖ Politik-Mentoring-Programm finden Interessierte unter: www.noe.gv.at/noe/politikmentoring.html
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung
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Doris Zöger
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