Herpes-Zoster-Impfstoff weiterhin Mangelware

Ärztinnen und Ärzte kritisieren mangelnde Transparenz und Versorgungslücken

Seit bald einem Jahr kämpfen Ärztinnen und Ärzte mit Schwierigkeiten bei der Bestellung des Herpes-Zoster-Impfstoffs für ihre Patientinnen und Patienten. Trotz der angekündigten kostenfreien Impfversorgung fehlen ausreichende Impfstoffmengen und Planungssicherheit.

„Die Impfung ist eine wichtige Schutzmaßnahme für Personen ab 60 Jahren sowie für medizinische Risikogruppen gegen eine sehr schmerzhafte und langwierige Erkrankung“, erklärt Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. „Doch der versprochene Gratis-Impfstoff ist nicht verlässlich verfügbar“, ergänzt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte.

Seit der Aufnahme der Herpes-Zoster-Impfung in das kostenlose Impfprogramm fehlt es an Transparenz und es bestehen Schwierigkeiten bei der Bestellung des Impfstoffs. „Sporadisch und teilweise unangekündigt sind immer wieder kleinere Mengen Impfstoff im e-Impfshop verfügbar. Das Vorgehen gleicht einer Impfstofflotterie“, sagt Kamaleyan-Schmied. „Nach unserem aktuellen Kenntnisstand gibt es seitens des Ministeriums weder eine transparente Bedarfserhebung noch einen nachvollziehbaren Plan, wie Patientinnen und Patienten, die bereits die erste Dosis erhalten haben, rechtzeitig ihre zweite Dosis bekommen.“ Unklar sei außerdem, welche Mengen Impfstoff noch bis Jahresende geliefert werden können.

„Impfen muss eine Grundsäule des Gesundheitssystems sein und verlässlich funktionieren“, sagt Kamaleyan-Schmied. Aus Sicht der Ärzteschaft ist es richtig und begrüßenswert, dass der Bedarf und die Notwendigkeit erkannt werden. „Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, Herpes-Zoster-Impfungen im e-Impfpass einzutragen. Warum es trotz dieser Datenerfassung im Jahr 2026 nicht möglich ist, den Bedarf zuverlässig zu erkennen und beispielsweise die zweite Dosis automatisch zuzuweisen, ist mir nicht verständlich.“

30.000 BIS 40.000 GÜRTELROSE-FÄLLE PRO JAHR

Der Bedarf ist groß: In Österreich treten jährlich rund 30.000 bis 40.000 Fälle von Gürtelrose auf. Etwa jede dritte Person erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Die Erkrankung äußert sich durch einen einseitigen, schmerzhaften Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen und kann in schweren Fällen Augen, Ohren oder das Gesicht betreffen – mit möglichen Folgen wie Seh- oder Hörstörungen sowie Gesichtslähmungen. Darüber hinaus kann selbst nach dem Abheilen des Hautausschlags eine Post-Zoster-Neuralgie auftreten. Dabei handelt es sich um sehr starke Nervenschmerzen, die oft nicht vollständig geheilt werden können.

Deshalb ist eine verlässliche Versorgung der vorgesehenen Zielgruppen besonders wichtig. Die Herpes-Zoster-Impfung erfordert zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten.

„Wir erwarten vom Gesundheitsministerium und den zuständigen Stellen eine transparente Darstellung der verfügbaren Impfstoffmengen, eine realistische Bedarfserhebung und einen verbindlichen Plan für die Versorgung mit Erst- und Zweitimpfungen“, stellt Steinhart klar. „Es sollte aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren ausreichend klar sein, wie die Versorgung organisiert werden kann“, sagt Kamaleyan-Schmied abschließend.

Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien
Mag. Katharina Hemmelmair
Telefon: 06649697506
E-Mail: hemmelmair@aekwien.at

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