Arbeiten 50+: 55,5 Prozent der arbeitslosen Menschen zwischen 60 und 64 Jahren sind langzeitbeschäftigungslos
Das Pensionsantrittsalter steigt, die Beschäftigungschancen ab 50 steigen nicht mit. Drei von vier Unternehmen beschäftigen niemanden über 60.
Die Arbeitsmarktdaten für August 2026 zeigen einmal mehr, wie stak sich Arbeitslosigkeit mit dem Alter verfestigt: 55,5 Prozent der arbeitslosen Menschen zwischen 60 und 64 Jahren sind langzeitbeschäftigungslos, bei den Menschen ab 50 sind es 46,2 Prozent, über alle Altersgruppen 33,8 Prozent. arbeit plus, das Netzwerk der Sozialen Unternehmen Österreichs, sieht darin die zentrale arbeitsmarktpolitische Aufgabe der kommenden Jahre.
LÄNGER ARBEITEN, ABER WO?
„_Wie Helmut Mahringer im Pressegespräch mit Bundesministerin Korinna Schumann festgehalten hat, ist Arbeitsmarktpolitik wichtiger geworden und wird weiter an Bedeutung gewinnen. Die Arbeitsmarktentwicklung ist krisenanfälliger, Unternehmen stellen zurückhaltender ein, das Arbeitskräfteangebot sinkt, und das Erwerbsalter steigt. Dazu verändert Künstliche Intelligenz die Tätigkeitsprofile, und die mittlere Ausbildungsebene geht zurück“_, sagt Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus Österreich. Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus ergänzt: „_Das Pensionsantrittsalter steigt, die Beschäftigungschancen ab 50 steigen nicht mit. Wer heute mit 55 seinen Arbeitsplatz verliert, hat vor sich zehn Jahre bis zur Pension und hinter sich einen Arbeitsmarkt, der ihn nicht mehr will. Diese Lücke muss die Arbeitsmarktpolitik jetzt schließen.“_
JE NÄHER DIE PENSION, DESTO STÄRKER DIE VERFESTIGUNG
Im August 2026 waren in Österreich 311.448 Menschen arbeitslos gemeldet. 105.169, also mehr als jede dritte Person, davon sind langzeitbeschäftigungslos. Eine Steigerung von 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg fällt mit dem Alter stärker aus: ab 50 wuchs die Zahl langzeitbeschäftigungsloser Menschen binnen eines Jahres um 16,2 Prozent, zwischen 60 und 64 sogar um 23,8 Prozent.
Dasselbe Muster zeigt sich bei der allgemeinen Arbeitslosenquote im ersten Halbjahr 2026: 6,9 Prozent bei den 50- bis 54-Jährigen, 8,1 Prozent bei den 55- bis 59-Jährigen, 10,8 Prozent bei den 60- bis 64-Jährigen. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung erwartet, dass die Arbeitslosigkeit bis 2030 vor allem in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen weiter zunimmt.
„_Diese Entwicklung ist kein Naturgesetz“,_ so Vollmann. „_Wir sprechen über Menschen mit dreißig oder vierzig Jahren Berufserfahrung, die gebraucht werden, während gleichzeitig über Fachkräftemangel diskutiert wird. Dass sie mit 58 als unvermittelbar gelten, ist keine Eigenschaft dieser Menschen. Es ist eine Entscheidung der Unternehmen.“ _
DREI VON VIER UNTERNEHMEN BESCHÄFTIGEN NIEMANDEN ÜBER 60
Aus dem Beschäftigungsmonitoring Älterer des Sozialministeriums geht hervor, dass im ersten Quartal 2026 rund 25 Prozent der etwa 238.000 Unternehmen in Österreich zumindest eine Person ab 60 Jahren beschäftigten. Bei Beschäftigten ab 55 Jahren waren es 47 Prozent.
_„Es fehlt nicht an Menschen, die arbeiten wollen. Es fehlt an Unternehmen, die sie einstellen“,_ stellt Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus Österreich, klar. „_Solange drei von vier Unternehmen niemanden über 60 beschäftigen, ist jede Vermittlung schwierig. Es gibt keine Tür, die aufgeht. Ein Bonus-Malus-System, das Beiträge an die tatsächliche Beschäftigung Älterer koppelt, würde genau das ändern. Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, werden entlastet. Unternehmen, die sie abgeben, zahlen dafür.“_
WAS DIESE JAHRE KOSTEN
_„Aus verfestigter Arbeitslosigkeit vor der Pension wird Altersarmut danach. Wer die letzten Erwerbsjahre arbeitslos verbringt, erwirbt kaum Pensionsansprüche und geht mit einer entsprechend geringeren Pension in den Ruhestand“_, so Vollmann. _„Dazu kommen entgangene Beiträge, entgangene Kaufkraft, entgangene regionale Wertschöpfung und höhere Ausgaben im Gesundheits- und Sozialsystem. Wer nur das Jahresbudget betrachtet, sieht die Ausgabe. Wer die Gesamtrechnung aufmacht, sieht die Investition.“_
AUS DER PRAXIS DER SOZIALEN UNTERNEHMEN
_„In unseren Sozialen Unternehmen arbeiten Menschen, die am regulären Arbeitsmarkt niemand einstellt. Ein großer Teil von ihnen ist über 50″,_ berichtet Rehbichler. _„Sie bearbeiten Aufträge, bedienen Kundinnen und Kunden, sind kollektivvertraglich angestellt und zahlen Beiträge. Ein Teil wechselt von uns in den regulären Arbeitsmarkt. Ein Teil bleibt bis zur Pension bei uns, weil niemand sonst sie nimmt. Beides ist besser als jedes Jahr in Arbeitslosigkeit.“_
_„Die zusätzlichen Mittel für die Beschäftigung ab 55 und der angekündigte Arbeitsmarkt-Transformationsfonds setzen an der richtigen Stelle an_“, so Rehbichler. _„Wir bringen unsere Erfahrung in die Ausgestaltung ein, damit diese Mittel dort ankommen, wo Beschäftigung für Menschen ab 50 heute schon entsteht.“_
_„Beschäftigung ab 50 ist kein Sozialprogramm, sie ist Arbeitskräftesicherung“_, betont Vollmann abschließend. „_Jedes Jahr, das ein Mensch vor der Pension arbeitslos verbringt, kostet den Staat mehr, als es kostet, ihn in Arbeit zu halten.“_
Quellen: Arbeitsmarktservice Österreich, August 2026; Sozialministerium, Beschäftigungsmonitoring Älterer, 1. Quartal 2026; WIFO, Ex-ante-Analyse zur Ausweitung des Einsatzes der Eingliederungsbeihilfe für ältere Arbeitslose im Rahmen der Aktion 55+, Mai 2026.
arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich
Eva Winterer
Presse
Telefon: 0043 664 4313590
E-Mail: eva.winterer@arbeitplus.at
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