Datacenter und Digitalisierung: Grundlage für den Betrieb sind starke Netze

Rechenzentren und andere Großverbraucher erhöhen den Bedarf an leistungsfähigen Stromnetzen. Ihre Zunahme erfordert langfristige verlässliche Planung.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ VERÄNDERT UNSEREN ALLTAG. IMMER MEHR ANWENDUNGEN NUTZEN KI, IMMER ÖFTER KOMMT SIE IM ARBEITSLEBEN UND IM ALLTAG ZUM EINSATZ. DAFÜR WERDEN GROSSE MENGEN AN DATEN VERARBEITET. DIESE VERARBEITUNG VERBRAUCHT ABER VIEL MEHR ENERGIE ALS DIE NORMALE NUTZUNG DES INTERNETS. DESHALB WÄCHST DIE BEDEUTUNG VON DATACENTERN LAUFEND UND DER BEDARF AN ENERGIE UND LEISTUNGSFÄHIGEN STROMNETZEN STEIGT. DAS DATACENTER-PROJEKT IM OBERÖSTERREICHISCHEN KRONSTORF LEGT JETZT NOCH EINMAL DIE LUPE AUF DIE AUSWIRKUNGEN UNSERER INTERNETNUTZUNG.

„Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. KI ist die Speerspitze der Digitalisierung und führt uns die Bedeutung von Rechenzentren und deren Stromversorgung noch einmal drastisch vor Augen“, sagt Dipl.-Ing. Michael Haselauer MBA, Geschäftsführer der Netz Oberösterreich GmbH beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit am 3. September 2026.

Rechenzentren waren bis vor Kurzem auch in der österreichischen Gesellschaft ein Nischenthema für „IT-nerds“. Mit dem aktuell entstehenden Datacenter in Kronstorf ist das Thema aber in der breiten Bevölkerung angekommen. Warum das so ist, wird beim Blick auf die Rahmenbedingungen für ein derartiges Vorhaben schnell deutlich: ein modernes Rechenzentrum benötigt unter anderem

* geeignete große und ebene Flächen mit entsprechenden Widmungen
* eine gute Anbindung an Datennetze und Internetknotenpunkte
* zuverlässige und leistungsfähige Stromanschlüsse
* eine leistungsfähige Notstromversorgung und
* für die Kühlung der Anlagen entsprechende Mengen an Kühlwasser.

Angesichts all dieser zu erfüllenden Kriterien auf dem Weg zur Umsetzung hat sich in den vergangenen Monaten in Österreich ein regelrechter Wettbewerb der Standorte entwickelt. Dieser wird von den nahezu unerschöpflichen finanziellen Ressourcen der Tech-Giganten und den aktuellen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen begünstigt: Denn aktuell gilt das „first come, first served“-Prinzip. Und zwar (fast) unabhängig davon, ob die Rahmenbedingungen passen oder nicht.

Nach Angaben der Austrian Data Center Association wird Österreich künftig zusätzliche Rechenzentren mit einem Leistungsbedarf von rund 500 Megawatt benötigen. Bei den Netzbetreibern des Forums Versorgungssicherheit liegen für Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und das Burgenland jedoch bereits Anfragen für fast 6.000 Megawatt Anschlussleistung vor. Im Vergleich dazu liegt der Stromverbrauch aller Bewohner, Unternehmen und Industrien in dieser Region in gleicher Höhe. „Das heißt, dass sich der Stromverbrauch binnen kürzester Zeit verdoppeln würde“, erklärt Haselauer.

Wie viele dieser Anfragen tatsächlich zur Umsetzung gelangen werden, ist unklar: Eine Genehmigung ist heute Millionen Wert, entsprechend werde viele „Glücksritter“ regelrecht angezogen. Problem für die Netzbetreiber und den Standort Österreich: Ausgesprochene Leistungszusagen sind in der Regel unbefristet gültig und würden Netzkapazitäten für die Weiterentwicklung des Stromnetzes wie Eis in der Sonne dahinschmelzen lassen! Zum Nachteil aller anderen Netzbenutzer.

NETZANSCHLUSS UND ENERGIELIEFERUNG: DIE GRUNDREGELN SIND KLAR

Für den Netzanschluss eines Rechenzentrums gelten dieselben Regeln wie für jeden anderen Netzkunden in Österreich: Es gilt das Verursacherprinzip. Wer einen Anschluss benötigt, muss die dadurch verursachten Kosten übernehmen. Das betrifft Wohnungen, Einfamilienhäuser gleichermaßen wie kleine und große Unternehmen sowie Industriebetriebe und Rechenzentren. Da das Stromnetz ein natürliches Monopol ist, gelten unter dem Gleichbehandlungsgrundsatz die gleichen Regeln für alle: „Es gibt keine Sozialisierung von Netzausbaukosten zugunsten einzelner Unternehmen. Das ist gesetzlich geregelt und sorgt für Fairness allen Kundinnen und Kunden gegenüber“, erklärt Haselauer. Im Anschlussverfahren wird genau geprüft, wem der Netzausbau nützt. Wird eine neue Anlage ausschließlich für einen Kunden errichtet, muss dieser die Kosten vollumfänglich tragen – und diese können in die Millionen gehen. Kommt die neue Anlage auch anderen Kunden zugute, kann ein Teil der Kosten auf alle Netzkunden sozialisiert werden.

Für Netzbetreiber ist vor allem die Bereitstellung der benötigten Anschlussleistung von Rechenzentren die größte Herausforderung. Denn in der Regel sind die benötigten Leistungen deutlich höher als bei herkömmlichen Industrieanlagen, das Bezugsverhalten wird rund um die Uhr nahe am Leistungsmaximum liegen.

Der Netzbetreiber stellt also den Anschluss bereit und betreibt das Stromnetz. Auch die Energielieferung selbst ist klar geregelt: Woher der Strom kommt, entscheidet der Kunde selbst. Er wählt seinen Energielieferanten am freien Strommarkt aus. Der Energielieferant entscheidet letztlich darüber, woher er die Energie bezieht, die dann an den Kunden geliefert wird.

KRONSTORF: NETZANSCHLUSS FÜR ÖSTERREICHS GRÖSSTES DATACENTER

Die Netz Oberösterreich hat den Stromanschluss für das neue Datacenter in Kronstorf hergestellt. Nachdem bereits vor fast 20 Jahren der eigentliche Grundankauf durchgeführt worden ist, wurden die konkreten Planungen für den Netzanschluss im Jahr 2018 gestartet. Nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens im Jahr 2019 wurde das Projekt umgesetzt. Seit 2022 ist der Anschluss betriebsbereit. Da es sich bei der Anlage um den Anschluss des Rechenzentrums handelt, wurde der gesamte Netzanschluss dem Betreiber in Rechnung gestellt, dieser hat den Netzanschluss auch vollumfänglich bezahlt.

Der bestehende Netzanschluss im Umspannwerk Kronstorf West hat eine Leistung von 150 Megawatt. Weitere Leistungsanfragen sollen mit Einreichung der Ausbaustufen 2 und 3 folgen, diese liegen aber konkret noch nicht vor. Kolportiert wird eine Gesamtleistung von „bis zu 500 MW“.

An diesem Beispiel lässt sich auch die Unterscheidung zwischen Leistung und Stromverbrauch exemplarisch gut darstellen: Die Leistung beschreibt, wie viel Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt bezogen werden kann. Der tatsächliche Stromverbrauch ergibt sich aus der genutzten Leistung über einen bestimmten Zeitraum. Mit diesem Wissen kann der Stromverbrauch jedes elektrischen Gerätes berechnet werden. Auch jener des Rechenzentrums in Kronsdorf:

* Das Rechenzentrum kann bis zu 150 Megawatt Leistung nutzen.
* Würde diese Leistung rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr genutzt werden (24 Stunden x 365 Tage = 8.760 Stunden), ergäbe sich ein theoretisch maximaler Stromverbrauch von rund 1,3 Terawattstunden. Die tatsächliche Strommenge hängt jedoch von der Auslastung des Rechenzentrums ab.
* Um einen Vergleichswert zu erhalten, werden Verbräuche normalerweise in Relation zu Durchschnittsverbräuchen von Haushalten gesetzt: In Österreich wird der gebräuchlichste Vergleichswert eines Haushaltes beim Jahresstromverbrauch mit 3.500 Kilowattstunden angenommen. Wird der Verbrauch des Datacenters also in Relation zu Haushalten gesetzt, so entspricht die Verbrauchsmenge rechnerisch dem Jahresstromverbrauch von etwa 375.000 Haushalten.

Der tatsächliche Stromanschluss wurde vom Betreiber schon vollumfänglich bezahlt. Natürlich – und auch hier unterscheidet sich das Datacenter nicht von einem Haushalt oder jedem anderen Netzkunden aus Gewerbe und Industrie – fallen auch im laufenden Betrieb für die Nutzung des Stromnetzes Kosten an. Und auch hier gibt es – entsprechend dem Gleichbehandlungsgrundsatz – keinerlei Möglichkeit eines Rabattes, einer Ermäßigung oder eines anderen „deals“, um als „Großer“ seine Marktmacht, Bedeutung oder Beziehungen spielen lassen zu können!

Das Netznutzungsentgelt liegt entsprechend dem Netzanschluss in der Netzebene 3 und wird nach Leistung und verbrauchten Kilowattstunden berechnet. Dazu kommen Abgaben und Steuern. Unter der oben angenommenen maximalen Bezugsleistungen werden nur die laufenden Netzkosten jährlich einen hohen einstelligen Millionenbetrag ausmachen. Mit diesem Beitrag zu den Gesamtnetzkosten in Oberösterreich ist davon auszugehen, dass die Netzkosten für alle anderen Netzbenutzer in Oberösterreich stabil bleiben werden.

Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.

Forum Versorgungssicherheit
Wolfgang Denk
Telefon: +43 664 60165 3569
E-Mail: wolfgang.denk@netzooe.at

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