IV-Präsident Knill bei den Technology Talks Austria: Industrie ist Innovationsmotor – jetzt braucht es mutige Zukunftsinvestitionen

IV-Präsident spricht sich für Tempo bei Umsetzung der Industriestrategie, gezielte Investitionen in Schlüsseltechnologien und mehr Risikokapital aus

Die österreichische Industrie ist nach wie vor der zentrale Motor des heimischen Innovationsstandortes, betont IV-Präsident Georg Knill im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich der Technology Talks Austria in Wien. Zwei Drittel aller Forschungsausgaben in Österreich werden von Unternehmen getragen, forschungsaktive Betriebe wachsen umsatzmäßig bis zu viermal stärker als andere und punkten mit einer breiteren Produktpalette auf internationalen Märkten. Österreich verfügt über Stärkefelder in Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz, Mikroelektronik, Quantentechnologien, Life Sciences sowie modernen Produktions- und Energietechnologien. Allerdings steht die Industrie wirtschaftlich und technologisch unter Druck, und hohe Arbeits- und Energiekosten sowie eine überbordende Bürokratie belasten die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

„Unsere Unternehmen liefern die Substanz, auf der Österreichs Wettbewerbsfähigkeit aufbaut, gleichzeitig haben sie mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen. Jetzt kommt es darauf an, gezielt in industrielle Stärkefelder und Schlüsseltechnologien zu investieren und diese weiter für die Zukunft auszubauen“, so Knill. Damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich und Europa bleiben, brauche es jetzt vor allem eines: konsequenten Fokus auf Forschung, Technologie und Innovation und mehr Tempo bei der Umsetzung.

Konkret verweist Knill auf die Industriestrategie 2035, mit der sich Österreich das Ziel gesetzt hat, wieder unter die zehn führenden Industrienationen aufzusteigen. Entscheidend ist nun, die Maßnahmen rasch umzusetzen und messbare Wirkung zu erzielen. Aktuell gehen mit der Leading-Companies-Initiative, den Mission-Statements der zuständigen Agenturen und dem IPCEI Advanced Semiconductors drei Projekte der darin enthaltenen Schlüsseltechnologieoffensive in Umsetzung. „Das ist ein guter Start, jetzt braucht es auch eine konsequente Umsetzung, sodass sich die Mittel auch in neuen Innovationen niederschlagen“, so Knill.

WACHSTUMSPFAD FÜR 4%-F&E-QUOTE IST ZUKUNFTSINVESTITION

Bei den Forschungsinvestitionen gilt es, den Wachstumspfad hin zu einer Forschungsquote von vier Prozent konsequent weiterzuverfolgen, wie auch im Regierungsprogramm und in der Industriestrategie festgehalten. Im Rahmen des FTI-Paktes seien zwar stabile Budgets beschlossen worden, mittelfristig brauche es aber wieder mehr Ambition, insbesondere bei der angewandten Forschung. Neben der gezielten Förderung von Schlüsseltechnologien – von KI und Mikroelektronik über Quantentechnologien bis zu Energie, Mobilität und Life Sciences – müssen auch die themenoffenen Forschungsprogramme gestärkt werden, damit neue Trends rasch aufgegriffen werden können. Zudem betont Knill die enorme Bedeutung der Forschungsprämie als Standort-USP sowie des Fonds Zukunft Österreich, den es, wie auch im Regierungsprogramm festgehalten, abzusichern und auf 200 Millionen Euro jährlich auszubauen gilt.

FÜR WACHSTUM AM STANDORT: DACHFONDS RASCH UMSETZEN UND TECHNOLOGIETRANSFER FORCIEREN

Als zentralen Hebel für künftige Wertschöpfung erinnert Knill an den in der Industriestrategie beschlossenen Dachfonds für Startups und Scale-ups: „Damit wir aus Forschung in Bereichen wie Quantentechnologien, KI oder Life Sciences auch tatsächlich Wertschöpfung generieren, müssen wir die daraus entstehenden Unternehmen in Österreich halten und von hier aus international skalieren. Dafür brauchen wir Risikokapital in ausreichendem Ausmaß und genau hier haben wir eine evidente Schwäche.“ Der Dachfonds müsse rasch nach internationalem Vorbild, wie etwa in Dänemark, operativ werden, mit unabhängigem Fondsmanagement mit internationalem Track Record und mit institutionellen Kapitalgebern wie Pensionsfonds.

Zusätzlich pocht die IV auf einen rascheren Transfer von Innovationen in den Markt: Patente seien gut, Produkte aber besser. Die in der Industriestrategie verankerte Forcierung des Technologietransfers müsse konsequent umgesetzt und auch in der Hochschulstrategie verankert und mit messbaren Kennzahlen hinterlegt werden. Gefragt seien dabei auch die Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, um gemeinsam mit Unternehmen und Investoren tragfähige Innovationsökosysteme auf- und auszubauen.

NÄCHSTES EU-BUDGET AUF WETTBEWERBSFÄHIGKEIT, FORSCHUNG UND INNOVATION AUSRICHTEN

Auch auf EU-Ebene sieht die IV Investitionsbedarf: Der aktuell verhandelte Mehrjährige Finanzrahmen 2028–2034 müsse Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit stärken, mit einem Horizon Europe von mindestens 200 Milliarden Euro, starker kollaborativer Forschung in dessen Säule 2 sowie eine konsequente Fortsetzung strategischer Initiativen wie IPCEI und Chips Act über den European Competitiveness Fund. „Wer bei Innovation kürzt, kürzt Europas Zukunft“, so Knill.

„Unsere Industrie investiert auch in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld in neue Technologien und treibt damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich voran. Jetzt sind Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam gefordert, diese Investitionsbereitschaft mit den richtigen Rahmenbedingungen zu unterlegen“, so Knill abschließend.

Marlena Mayer
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