Neue Waffen gegen Krebs: Wie Immun-Kombinationen und zielgerichtete Therapien das Überleben verbessern
ZIELGERICHTETE THERAPIEN UND IMMUN-KOMBINATIONSTHERAPIEN SIND DIE JÜNGSTEN ERRUNGENSCHAFTEN DER KREBSTHERAPIE. SO GIBT ES DURCH EINE NEUE MOLEKULAR ZIELGERICHTETE THERAPIE ERSTMALS HOFFNUNG IN DER BEHANDLUNG VON BAUCHSPEICHELDRÜSENKREBS. ZUDEM KANN BEI DEN IMMUN-THERAPIEN DURCH DIE DUALE CHECKPOINT-BLOCKADE DAS ÜBERLEBEN VON LANGE SEHR AUSSICHTSLOSEN KREBSARTEN WIE METASTASIERENDEM MELANOM DERMASSEN VERBESSERT WERDEN, DASS 43 % DER BETROFFENEN NACH 10 JAHREN NOCH LEBEN. WELCHE KOMBINATIONEN WIE WIRKEN UND WIE DADURCH IHRE WIRKSAMKEIT VERSTÄRKT WERDEN KANN, DARUM GEHT ES BEI DER JAHRESTAGUNG DER DEUTSCHEN, ÖSTERREICHISCHEN UND SCHWEIZERISCHEN GESELLSCHAFT FÜR HÄMATOLOGIE UND MEDIZINISCHE ONKOLOGIE, DIE VOM 9. BIS 12. OKTOBER IM AUSTRIA CENTER VIENNA STATTFINDET.
„Wir haben mit den vielen neuen Entwicklungen zu den zielgerichteten Therapien, Immuntherapien und Kombinationstherapien sehr viele gute Behandlungsmöglichkeiten gegen verschiedene Krebsarten an der Hand. Vieles liegt daran, dass wir die Individualität des Tumors besser erkennen und gezielt dagegen vorgehen können. Wichtig ist, dass jeder Tumor, den man vermeiden kann, besser ist als ein Tumor, den man gut behandeln kann. Vorsorge und Prävention sind daher weiterhin ganz zentral“, betont Prof. Dr. Maike de Wit, Leiterin der Vivantes-Kliniken für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin in Neukölln und Schöneberg in Berlin sowie eine der beiden Kongresspräsidenten der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie.
ZIELGERICHTETE THERAPIE: DAS PROBLEM IN DER ZELLE AN DER GEN-MUTATION PACKEN
„Zielgerichtete Therapien gehen das Problem in der Zelle an; denn es gibt in diesen Fällen eine identifizierte Mutation, die das Tumorwachstum verursacht. Wir können daher diese Mutation gezielt mithilfe von kleinen Molekülen ansteuern, die wir in die Zelle bringen. Wir schauen uns nicht nur das betroffene Organ wie beispielsweise die Lunge an, sondern auch das umfassende molekulare Profil des Tumors, um etwaige Mutationen identifizieren zu können. EGFR-, KRAS- und ALK-Veränderungen sind beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom die wichtigsten sogenannten „Treibermutationen“ für den Tumor“, erklärt de Wit. „ALK-positive Lungentumoren, die häufig auch Hirnmetastasen auslösen, können wir durch die modernen ALK-Inhibitoren wie Alectinib oder Lorlatinib so gut behandeln, dass wir den Patienten ein sehr langes Überleben ermöglichen“, betont de Wit.
MOLEKULAR ZIELGERICHTETE THERAPIE: DURCHBRUCH BEI BAUCHSPEICHELDRÜSENKREBS
Ein weiterer revolutionärer Durchbruch in der molekulargenetischen Bekämpfung von Krebs ist zuletzt beim Adenokarzinom des Pankreas, der häufigsten Form des Bauchspeicheldrüsenkrebses, gelungen. Hier befinden sich 90 bis 95 % der Krebsmutationen im KRAS-Gen. Diese Mutation hält die Krebszelle dauerhaft in einem Wachstumsmodus und treibt die Tumorentwicklung an. Jahrzehntelang galt der RAS-Signalweg als nicht medikamentös angreifbar, weil das Protein keine offensichtliche Bindungsstelle für Medikamente besitzt. „Jetzt ist aber mit der Entwicklung eines neuen RAS-Inhibitors ein großer Schritt nach vorne gelungen. Der Wirkstoff Daraxonrasib richtet sich gegen verschiedene RAS-Mutationen, wird derzeit intensiv in früheren Therapiesituationen des metastierten Bauchspeicheldrüsenkrebs untersucht und steht hier kurz vor der Zulassung“, so de Wit. Durch das Medikament konnte bereits eine Verdopplung der Überlebensraten erreicht werden. Durch den Wirkstoff kann der Bauchspeicheldrüsen-krebs zwar noch nicht geheilt werden, aber das Überleben enorm verbessert werden.
PRINZIP DER IMMUNTHERAPIEN – ANTIGENE, DIE AN DIE ZELLE ANDOCKEN
Mag. (FH) Claudia Reis, MA
Pressesprecherin Wissenschaft
Austria Center Vienna
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