Barbara Staudinger neue Präsidentin des Museumsbunds Österreich

Eisenstadt – Im Rahmen des Österreichischen Museumstags 2026 wurde Barbara Staudinger an die Spitze der nationalen Dachorganisation der österreichischen Museen gewählt.

BARBARA STAUDINGER, Direktorin, Jüdisches Museum Wien, folgt Matthias Beitl nach, der den Verband seit 2024 geführt hat und sich nun ganz der bevorstehenden Wiedereröffnung des Volkskundemuseums Wien widmet. Gewählt wurde sie für die Funktionsperiode 2026 bis 2029 bei der Generalversammlung des Museumsbunds Österreich am 15. Oktober 2026 im Rahmen des Österreichischen Museumstags in Eisenstadt. Gemeinsam mit ihr wurden PETER FRITZ, Direktor, Salzburger Freilichtmuseum, Großgmain, und Ruth Swoboda, Direktorin, inatura Naturschau Dornbirn, als Vizepräsident:innen gewählt.

SCHWERPUNKTE DER NEUEN PRÄSIDENTSCHAFT

FINANZIERUNG SICHERN – IM GESPRÄCH MIT DER KULTURPOLITIK. Angesichts angespannter öffentlicher Budgets ist die nachhaltige Finanzierung der österreichischen Museen eines der großen Themen der nächsten Jahre. Kürzungen treffen Museen besonders hart: Der größte Budgetposten ist das Personal. Wer niemanden entlassen und die Eintrittspreise nicht erhöhen will, spart bei Ausstellungen und Vermittlung – also genau dort, wo Museen in die Gesellschaft hineinwirken. Dabei zahlt sich jede Investition aus: Jeder in Museen investierte Euro bringt der Wirtschaft rund 1,80 Euro, mehr als 7.500 Menschen arbeiten in Österreichs Museen.

„Wir werden uns für eine nachhaltige Finanzierung der Museen einsetzen – nicht gegeneinander, sondern gemeinsam und im Gespräch mit der Kulturpolitik. Die zentrale Frage ist, welche Museumslandschaft Österreich langfristig haben will und was es braucht, um sie zu erhalten und für die Zukunft weiter zu gestalten. Dies im konstruktiven Dialog mit der Kulturpolitik zu verhandeln, wird ein zentrales Thema der nächsten Jahre sein. Denn Museen brauchen Planungssicherheit – nicht nur in guten Jahren“, so Barbara Staudinger.

DAS MUSEUM ALS GESELLSCHAFTLICHER ORT – OFFEN FÜR ALLE. Museen leisten wesentlich mehr, als Ausstellungen zu präsentieren und Besucher:innen zu zählen. Sie bewahren das materielle und immaterielle kulturelle Erbe, forschen und vermitteln, sind Bildungsorte und regionale Kulturträger und schaffen Räume für gesellschaftliche Verständigung.

Museen genießen hohes Vertrauen in der Bevölkerung, deutlich mehr als etwa politische Institutionen. Dieses Vertrauen gilt es zu nutzen: Museen sollen Orte sein, an denen alle willkommen sind und an denen über gesellschaftliche Gräben hinweg miteinander gesprochen wird. Dazu gehören leistbare Zugänge für alle und die Anerkennung der Museen als Partner für Bildung, Demokratie und sozialen Zusammenhalt.

„Gerade in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung dürfen sich Museen nicht in vermeintlich neutrale Räume zurückziehen. Sie sollen offen sein, zuhören und unterschiedliche Perspektiven zulassen. Offenheit bedeutet aber nicht Beliebigkeit. Museen tragen Verantwortung für wissenschaftliche Standards, für ihre Sammlungen, für ihre Mitarbeiter:innen und für die Menschen, die sie besuchen. Diese Verantwortung müssen wir auch deutlich kommunizieren“, sagt Ruth Swoboda.

MIT ALLEN REDEN – UND KLAR SAGEN, WAS NICHT GEHT. Offenheit bedeutet für die neue Präsidentin auch Klarheit. Der Museumsbund Österreich wird das Gespräch mit allen suchen. Er wird aber ebenso deutlich benennen, wo Grenzen erreicht sind: wenn Mittel fehlen, wenn Aufgaben ohne Ressourcen übertragen werden oder wenn die Leistung von Museen allein an Besuchszahlen gemessen wird. Ebenso wird der Museumsbund Österreich dafür eintreten, dass Museen unabhängig bleiben – auch angesichts des politischen Drucks, dem Museen in den USA und in mehreren europäischen Ländern zunehmend ausgesetzt sind.

„Wir sprechen mit allen. Aber wir sagen auch klar, was nicht geht. Wer von Museen Bildung, Vermittlung, Forschung und Sammlungspflege erwartet, muss ausreichend Mittel dafür bereitstellen. Und Museen müssen unabhängig bleiben – was sie zeigen und erzählen, darf nicht von politischem Wohlwollen abhängen“, unterstreicht Peter Fritz.

DANK AN MATTHIAS BEITL

Der Vorstand des Museumsbunds Österreich dankt Matthias Beitl für sein Engagement an der Spitze des Verbands. Er hat die Interessen der österreichischen Museen mit großem Einsatz gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertreten und konzentriert sich als Direktor des Volkskundemuseums Wien nun ganz auf die Wiedereröffnung seines Hauses nach der Generalsanierung des Palais Schönborn.

BARBARA STAUDINGER ist Historikerin, Theaterwissenschaftlerin und Judaistin. Seit 2022 leitet sie das Jüdische Museum Wien, für das sie kürzlich einstimmig für eine weitere Funktionsperiode ab 2027 bestellt wurde. Zuvor war sie ab 2018 Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben.

Der MUSEUMSBUND ÖSTERREICH ist die nationale Dachorganisation der österreichischen Museen. Er vertritt überregional und bundesländerübergreifend die Interessen der Museen und ihrer Mitarbeiter:innen. Sein ehrenamtlicher Vorstand bildet die Vielfalt der Museumslandschaft ab. Der Museumsbund ist Netzwerk, Kommunikationsplattform und Servicestelle.

Museumsbund Österreich
Sabine Fauland
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