VGT kritisiert Greenwashing bei Insekten-Hundefutter

Neue Studie stellt Umweltvorteile von Insektenprotein in Frage

Heimtierfutter aus Insekten sei „tierleidfrei“, „klimapositiv“ und „hypoallergen“ [1]: Mit Behauptungen wie diesen hat die steirische HEROSAN Petcare GmbH letzte Woche knapp 800.000 Euro von Kleinanleger:innen lukriert. [2]. Diese Firma will Schwarze Soldatenfliegen in riesigen Mastanlagen halten und zu Hundefutter verarbeiten. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN (VGT) hat heute eine Beschwerde beim österreichischen Werberat eingereicht und warnt vor einer neuen Form der Massentierhaltung unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit. Mit Bezug auf die am 27. September in Kraft getretene UWG-Novelle der EU fordert der VGT handfeste Belege für die Werbeversprechen.

INSEKTEN SIND TIERE: „TIERLEIDFREI“ IST UNHALTBAR

Das Werbeversprechen „tierleidfrei“ suggeriert, dass Insekten nicht leidensfähig sind. Doch aktuelle Forschungsergebnisse halten im Gegenteil ein Schmerzempfinden bei Insekten wie der für das Futter gezüchteten Schwarzen Soldatenfliege für plausibel [3].

In einem Bericht vom Mai warnt das “Stockholm Environment Institute” explizit, dass die Bedürfnisse der Tiere in der Insektenindustrie von der Aufzucht bis zur Tötung „schlecht verstanden und selten berücksichtigt“ werden [4]. So werden die Tiere vor der Schlachtung oftmals ausgehungert. Für die Insektenmast gibt es in Österreich keine gesetzlich geregelten Tierschutzstandards oder routinemäßige Kontrollen [5].

„Hundefutter aus Insektenfabriken als tierleidfrei zu bezeichnen, ist Etikettenschwindel. Sind Insekten etwa keine Tiere? Diese neue Form der Massentierhaltung hat hier niemand bestellt. Österreich hat schon viel zu viele Tierfabriken. Jetzt brauchen wir nicht auch noch Insekten-Fabriken”, kritisiert Georg Prinz, Obperson-Stellvertreter des VGT.

KLIMA-VERSPRECHEN ENTGEGEN DER STUDIENLAGE

Für die Behauptung, das Futter sei „klimapositiv“ und verursache „rund 90 % weniger CO₂-Emissionen“, fehlen die Quellen. Die unabhängige Studienlage zeichnet ein anderes Bild: Laut dem Stockholm Environment Institute schneidet das Insektenprotein bei der Klimabilanz im Schnitt sogar schlechter ab als Alternativen. So schätzt eine unabhängige Studie die Treibhausgasemissionen von insektenbasiertem Tierfutter als höher ein als die von konventionellem Futter [6].

Auch die Aussage, Insektenprotein sei hypoallergen, ist fragwürdig. Als „Nonsense” bezeichnet Tierfutter-Experte Clayton Payne diese Art von Marketing für Hundefutter aus Insekten jüngst in einem Podcast [7]. Für die meisten Hunde sind Insekten einfach ein neues Protein. Aber: „neu“ bedeutet nicht automatisch „allergiefrei“. In einer Laborstudie wurden bei Menschen Kreuzreaktionen mit Milben und Schalentieren festgestellt, für allergische Haustiere fehlen bislang konkrete Studien.

EIN ZUSÄTZLICHER SCHRITT IN DER MASSENTIERHALTUNG?

Kann die Insektenmast mit der Verwertung ansonsten ungenutzter Abfälle einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten? Auch diese Binsenweisheit stellen neuere Untersuchungen in Frage. In den Insektenmastanlagen von HEROSANs Mehrheitseigentümerin REPLOID werden laut Eigenauskunft „regionale Reststoffe wie Molke, Treber oder Trester“ verfüttert [2]. Diese sind aber tatsächlich etablierte Futtermittel, die heute schon an andere “Nutztiere” verfüttert werden [4]. Da konventionelles Heimtierfutter oft überwiegend aus dem Fleischmehl, den Innereien und Knochen ohnehin geschlachteter Tiere besteht [8], verhindert Insektenfutter auch nicht unbedingt die Schlachtung zusätzlicher Tiere. Im Gegenteil: es ersetzt bestehende Abfallprodukte durch Millionen eigens dafür gemästeter Tiere.

„Gerichte haben irreführende CO₂-neutral-Werbung von Austrian Airlines und Gösser bereits gestoppt [9]. Wer Tierfreund:innen klimapositives und tierleidfreies Futter verkauft, muss das beweisen können. Wir fordern Belege und haben eine Beschwerde beim Werberat eingereicht. Tierfreund:innen raten wir davon ab, ihre Hunde mit Insekten zu füttern. Es gibt genügend Alternativen auf pflanzlicher Basis“, so Georg Prinz.

QUELLEN:

[1] Fundraising-Projektseite der HEROSAN auf der Platform Invesdor: invesdor.at/projekte/1045b564-6573-44d6-b69f-3a3ab213cc1e [5.10.2026]
[2] Hersteller-Website (herosan.eu/tiernahrung/):

VGT – VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
DDr. Martin Balluch
Telefon: +43(1) 929 14 98
E-Mail: medien@vgt.at
Website: https://vgt.at

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