Besser, aber viel „Luft nach oben“: Frauen in der Sportberichterstattung laut Follow-up-Studie weiter marginalisiert

Neue Studie zeigt strukturelle Schieflage in medialer Präsenz von Sportlerinnen.

Die Jahresstudie „Genderbalance in der Sportberichterstattung 2024/2025“ zeigt, dass die Sichtbarkeit von Frauen im österreichischen Sport steigt, aber strukturell weiterhin deutlich hinter der von Männern zurückbleibt. Rund fünf Jahre nach einer Ersterhebung wurde die Studie erneut auf Initiative von EXPLORISTAS – ÖSTERREICHS INITIATIVE FÜR SICHTBARKEIT UND VIELFALT VON FRAUEN IM SPORT – vom Institut MEDIAAFFAIRS durchgeführt und am 21. April im Wiener Haus des Sports der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Die Studie zeigt, dass bei der Sichtbarkeit von Frauen im Sport noch viel Arbeit vor uns liegt. 85 Prozent der Medienberichte über Sport drehen sich um Männer. Dabei erbringen unsere Sportlerinnen jeden Tag Höchstleistungen.“, so Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt. „Mehr Aufmerksamkeit bedeutet dabei auch mehr Sponsoren-Einnahmen und mehr Geld für Training und Nachwuchsförderung.“

Im Anschluss an Grußworte von SPORT-STAATSSEKRETÄRIN MICHAELA SCHMIDT, RTR MEDIEN-GESCHÄFTSFÜHRER WOLFGANG STRUBER und SPORT AUSTRIA-PRÄSIDENT HANS NIESSL, stellte Studienautorin und MEDIAAFFAIRS-GESCHÄFTSFÜHRERIN MARIA PERNEGGER zentrale Ergebnisse der Studie vor.

Für die Studie wurden über einen Zeitraum von zwölf Monaten rund 40.000 BEITRÄGE AUS PRINT, TV, SOCIAL MEDIA UND MEDIATHEKEN quantitativ und qualitativ ANALYSIERT. Das Ergebnis daraus zeigt, dass der österreichische Sportdiskurs nach wie vor stark männlich geprägt ist. Zwar ist der Frauenanteil in der Sportberichterstattung im Vergleich zur Vorgängerstudie leicht gestiegen. Dennoch bleibt die mediale Darstellung weit von einer 50:50-Abbildung und damit von einer Genderbalance in der Sportberichterstattung entfernt.

Nur 15 % der Sportberichterstattung in Printmedien entfallen auf Sportlerinnen. Auf Mediatheken liegt der Frauenanteil im Sportangebot ebenfalls bei 15 %, während er auf Social Media nur 12 % ausmacht, obwohl gerade hier Beiträge über Sportlerinnen im Schnitt höhere Interaktionsraten und ein stärkeres User-Engagement erzielen als Beiträge über männliche Athleten.

Im TV reicht die Bandbreite der Berichterstattung über Frauensport von 37 % (ORF) bis nur 5 % (ServusTV).

Nur die Top-5 der Sportarten (Fußball, Ski Alpin, Formelsport, Tennis, Skispringen) nehmen 71 Prozent des medialen Raums in den Printmedien ein. Wie sehr die Vielfalt leidet, zeigt sich auch in der Berücksichtigung von Behindertensport im Allgemeinen (Frauen und Männer), der in nur 0,8 % der Sportberichte stattfindet.

Dazu PARASKISPORT-ATHLETIN ELINA STARY: „Ich finde es wirklich toll zu sehen, wie viel Aufmerksamkeit wir und der Parasport während den Paralympics bekommen haben. Leider findet dies nur alle 4 Jahre statt. Bei regulären Weltcuprennen haben wir keine Zuschauer und wenig bis keine Berichterstattung. Ich würde mir sehr wünschen, dass sich dies durch diesen medialen Aufschwung auch verändert.“

Das Thema Genderbalance begleite auch SPEERWERFERIN VICTORIA HUDSON. Sie schildert in der Paneldiskussion_ _„,dass die Chancengleichheit für Sportlerinnen in den letzten Jahren verstärkt zum Thema gemacht wird.“ Sie appellierte daran, dass sich die Situation möglichst angleiche. In der Leichtathletik erlebe sie Gleichberechtigung: ausgeglichene Starterfelder, gleiches Preisgeld und faire Medienpräsenz. „Seit meinem EM-Titel in Rom ist die Aufmerksamkeit deutlich gestiegen. Ich kann mir nur wünschen, dass das für alle Frauen in allen olympischen und nicht-olympischen Sportarten gilt.“

Strukturelle Faktoren verstärken die Ungleichheit: Nur rund 3 % DER SPORTBERICHTE STAMMEN VON JOURNALISTINNEN, deren Beiträge immerhin zu 38 % von Sportlerinnen handeln. Ihre männlichen Redaktionskollegen berichten nur in 13 % ihrer Beiträge über Themen aus dem Frauensport.

Dabei zeigt die Studie auch QUALITATIVE UNTERSCHIEDE IN DER BERICHTERSTATTUNG über Sportlerinnen und Sportler. So werden Männer häufiger mit Attributen wie Stärke und Dominanz beschrieben, Frauen hingegen werden öfter emotionalisiert oder trivialisiert dargestellt. Das spiegelt sich auch in der Auswahl von Bildmotiven wider, in denen Sportlerinnen häufiger in passiven Situationen zu sehen sind, während ihre männlichen Kollegen eher in aktiven, athletischen Szenen dargestellt werden.

Diese Unterschiede prägen langfristig das gesellschaftliche Bild von Leistung im Sport und haben unmittelbare Auswirkungen auf die Rahmenbedingungen für Frauen im Sport insgesamt sowie auf die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Sportlerinnen, sind sich EXPLORISTAS-MITGRÜNDERIN ANJA SCHMIDT UND STUDIENLEITERIN MARIA PERNEGGER einig.

„Den Lichtkegel der medialen Aufmerksamkeit auf Sportlerinnen und Sportler gleichermaßen zu richten, schafft Anerkennung für die Leistung und ist ein Zeichen der Fairness. Sichtbarkeit ist die zentrale Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und bessere Strukturen, sie ist essenziell für die Nachwuchsarbeit und in der gesamtgesellschaftlichen Wirkung nicht zu unterschätzen“, so Maria Pernegger.

STUDIENPRÄSENTATION UND EINORDNUNG DURCH PARTNER

Auftraggeber der Studie sind der Fachbereich Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR MEDIEN), die Bundes-Sportorganisation SPORT AUSTRIA und die ÖSTERREICHISCHEN LOTTERIEN mit WIN2DAY.

„Die Medien als Spiegel und Verstärker gesellschaftlicher Wahrnehmung haben für die Sichtbarkeit von Frauen im Sport eine Schlüsselrolle. Es ist das Ergebnis redaktioneller Entscheidungen, sprachlicher Gestaltung und publizistischer Haltung, wer in der Öffentlichkeit vorkommt, erinnert, vergessen oder zum Vorbild für den Sport-Nachwuchs wird“, sagte WOLFGANG STRUBER, GESCHÄFTSFÜHRER DER RTR MEDIEN, anlässlich der Studienpräsentation.

„Mädchen und junge Frauen brauchen starke Role Models“, betonte SPORT-AUSTRIA-PRÄSIDENT HANS NIESSL. „Gleichzeitig sind Frauen im Sport – insbesondere in Führungspositionen – nach wie vor unterrepräsentiert, und ihre Leistungen erhalten im medialen Diskurs nicht die angemessene Aufmerksamkeit. Mehr Sichtbarkeit ist daher kein Nebenschauplatz, sondern eine grundlegende Voraussetzung für echte Teilhabe. Unser Ziel ist es, diese Situation Schritt für Schritt zu verbessern und nachhaltige Veränderungen zu erreichen. Studien wie diese leisten dazu einen wichtigen Beitrag, indem sie bestehende Missstände sichtbar machen und das Bewusstsein dafür schärfen.“

„EQUAL PLAY DAY“ MACHT FORTSCHRITT PLAKATIV MESSBAR

Ein Chronometer für das Verhältnis der Berichterstattung über Sportlerinnen und Sportler ist der von win2day und den Österreichischen Lotterien initiierte Equal Play Day, also jener von 365 Tagen im Jahr, an dem Frauensport in Österreich rein rechnerisch medial „unsichtbar“ wird. 2026 FIEL DER EQUAL PLAY DAY AUF DEN 18. MÄRZ, 2025 war er bereits am 20. Februar erreicht. Damit stehen die Zeichen zwar auf Fortschritt, Equal Play wäre allerdings erst Anfang August erreicht.

Für GEORG WAWER, MANAGING DIRECTOR ÖSTERREICHISCHE LOTTERIEN UND WIN2DAY, ist klar: „Im Vorjahr war der Equal Play Day am 20. Februar, heuer am 18. März. Das zeigt, dass wir wirklich Fortschritte machen. Aber 79 Prozent der Sportberichterstattung zeigen weiterhin Männer. Solange das so ist, machen wir weiter – bis wir 50:50 erreicht haben.“

Und MARTIN ŠKOPEK, VORSTANDSDIREKTOR DER ÖSTERREICHISCHEN LOTTERIEN, ergänzt: „Sichtbarkeit ist im Sport die entscheidende Währung. Sie steuert Investitionen, Sponsoring, Medienrechte und damit die gesamte Wertschöpfungskette. Solange Frauensport strukturell unterrepräsentiert ist, bleibt wirtschaftliches Potenzial ungenutzt – für Vereine, Partner und den Sportstandort Österreich.“

Die Studie „Genderbalance in der Sportberichterstattung 2024/2025“ steht auf genderbalance-sport.mediaaffairs.atzum Download und findet sich zudem auf den Websites von exploristas, RTR, Sport Austria und win2day.

RÜCKFRAGEN & KONTAKT

MediaAffairs: Maria Pernegger, Studienleiterin, m.pernegger@mediaaffairs.at, +43(0)7255/20318

Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH
Telefon: 0158058-0
E-Mail: rtr@rtr.at
Website: https://www.rtr.at

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