Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen fordern bei politischen Entscheidungsprozessen Mitsprache ein!

Berufsangehörige der Sozialen Arbeit wünschen sich eine Vertretung ihrer berufspolitischen Interessen durch den Österreichischen Berufsverband der Sozialen Arbeit

Trotz erfolgreicher Lobbyarbeit der letzten Jahre, für einen Bezeichnungsschutz sowie für ein Berufsgesetz für die Soziale Arbeit, ist die finanzielle Lage des Österreichischen Berufsverband der Sozialen Arbeit prekär. Ein neues Angebot wie die Fortbildungsbörse und aktive Mitgliederwerbung zu Mehreinnahmen beitragen. Zusätzlich hat der obds eine Mitgliederbefragung durchgeführt, um ein Stimmungsbild über die bisherige Zufriedenheit für zukünftige Schwerpunktsetzungen zu erhalten. Das Ergebnis ist als Bestätigung der Aktivitäten der letzten Jahre zu bewerten.

ERGEBNIS DER MITGLIEDERBEFRAGUNG

Der Österreichische Berufsverband der Sozialen Arbeit hat eine Mitgliederbefragung durchgeführt, an der fast 25% aller Mitglieder teilgenommen haben.

Die befragten Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen wurden gebeten, die aus ihrer Sicht wichtigsten Kernaufgaben des Berufsverbands zu nennen.

Auf Platz 1 liegt die Beteiligung an Gesetzgebungsprozessen, insbesondere an jenem zu einem Berufsgesetz der Sozialen Arbeit.

Auf Platz 2 liegt der Wunsch, durch Öffentlichkeits- und Medienarbeit die Soziale Arbeit sichtbarer zu machen.

Auf Platz 3 liegen die Ermöglichung von Kooperation, Austausch und Vernetzung durch den Berufsverband.

Das Fundament der Sozialen Arbeit sehen die Befragten eindeutig in der Definition der Sozialen Arbeit. Über 95% der Befragten finden es sehr oder eher wichtig, dass sich der obds darauf bezieht. Noch höher fällt die Zustimmung in Bezug auf die ethischen Grundsätze der Sozialen Arbeit aus. Diese sind für 98% der Befragten sehr oder eher wichtig. Auch die Unabhängigkeit und parteipolitische Neutralität des Berufsverbands wird von 91% der Befragten als sehr oder eher wichtig eingeschätzt.

Die Daten zeigen eindrucksvoll: Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen verfügen über ein gemeinsames Professionsverständnis. Sie fordern vom Berufsverband eine parteipolitische Neutralität ein, die aber nicht mit einer a-politischen Haltung zu verwechseln ist. Vielmehr wird der Berufsverband als jene Instanz gesehen, die aufgrund der ethischen Grundsätze der Sozialen Arbeit zu fachlichen und gesellschaftspolitischen Themen klar Stellung bezieht und die Position der Sozialen Arbeit gegenüber Politik, Verwaltung und der breiten Öffentlichkeit vertritt. Das zeigt sich auch darin, dass die befragten Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen selbst keineswegs unpolitisch sind. Im Gegenteil: Über 60% der Befragten sind nach eigenen Angaben auch Mitglieder einer Gewerkschaft – organisieren sich damit auch außerhalb der Sozialen Arbeit und treten aktiv für ihre Interessen als Arbeitnehmer*innen ein.

DIE FINANZIELLE SITUATION BEDROHT ERFOLGREICHE BERUFSPOLITISCHE ARBEIT

Die Mitgliederbefragung wurde auch deshalb durchgeführt, weil der Berufsverband, trotz hoher Zufriedenheit der Mitglieder mit der Arbeit des Verbands, derzeit über nicht genügend Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge verfügt, um sicherstellen zu können, dass die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre auch im kommenden Jahr fortgeführt werden kann.

Die berufspolitische Arbeit, die der obds – von Nicht-Mitgliedern oft unbemerkt – im Hintergrund leistet, ist unverzichtbar. Der obds war und ist ein wesentlicher Impulsgeber und wichtiger Verhandlungspartner bei Fragen zum Sozialarbeits-Bezeichnungs-Gesetz oder Diskursen im Vorfeld der Erarbeitung eines Berufsgesetzes für Soziale Arbeit. Er stellt sicher, dass die Expertise der Berufsangehörigen in Gesetzgebungsprozesse einfließt und Ausbildungseinrichtungen und weitere Stakeholder in solche Prozesse eingebunden bzw. darüber informiert werden. Möglich machen das angestellte Mitarbeiter*innen, die ihren Arbeitsschwerpunkt auf berufspolitische Tätigkeiten, die Herausgabe der Zeitschrift SIÖ sowie Sichtbarkeit im digitalen Raum und Administration legen können und sich auf diese Weise kontinuierlich und in einem professionellen Umfeld für die Anliegen der Berufsangehörigen einsetzen.

Derzeit finanziert sich der obds zu 80% aus Mitgliedsbeiträgen. Christoph Krenn, Vorsitzender des Vorstands, dazu: „Es ist mehr als bitter, dass die Weiterführung der erfolgreichen Arbeit ab dem Jahr 2027 aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel derzeit ungesichert ist. Die Zahl der Mitglieder und die Höhe der Beiträge, die Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen für ihren Berufsverband leisten, entscheiden darüber, wie viele Ressourcen wir für die berufspolitische Vertretung aufwenden können – besonders, wenn wir wie von den Mitgliedern mit Recht gefordert, unabhängig und parteipolitisch neutral bleiben wollen.“

DIE NEUE FORTBILDUNGSBÖRSE UND WEITERE ANGEBOTE DES OBDS

Trotz dieser Herausforderungen bleiben die Mitarbeiter*innen des obds optimistisch: „Solange es möglich ist, werden wir uns mit voller Kraft für ein Berufsgesetz für Soziale Arbeit einsetzen, Soziale Arbeit sichtbar machen und Raum für Austausch und Vernetzung bieten. Gleichzeitig muss unser Fokus aber auch darauf liegen, Mehreinnahmen zu erzielen. Gelingt das nicht, besteht die Gefahr, dass die berufspolitische Arbeit künftig wieder durch ehrenamtlich tätige Personen geleistet werden muss“ so Julia Pollak, die Geschäftsführerin.

Neben der bereits seit mehreren Jahren bestehenden Möglichkeit für Arbeitgeber*innen, offene Stellen auf der Homepage des obds zu inserieren, gibt es ab sofort auch die Möglichkeit, Fortbildungen für Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen über diese Plattform zu bewerben. „Damit schaffen wir für unsere Kolleg*innen eine Plattform, um die für sie passende Fortbildung zu finden. Für Anbieter*innen von Fortbildungen ist es attraktiv, diese österreichweit zu bewerben. Das ist auch ein Beitrag zur Qualitätssicherung – denn eine kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung ist gerade in der Sozialen Arbeit zentral.“, sagt Sarah Stidl, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Administration im obds.

Selbstverständlich gibt es auch weiterhin die Möglichkeit Inserate in der Zeitschrift SIÖ zu schalten und die Zeitschrift auch ohne Mitgliedschaft zu abonnieren. „Sie ist die einzige Zeitschrift in Österreich, die in dieser Form Praxis und Theorie der Sozialen Arbeit vereint und aktuelle gesellschaftliche Themen in Hinblick auf die Soziale Arbeit reflektiert, einordnet und innovative Lösungsansätze vorstellt“, so Andreas Pavlic, Chefredakteur der Zeitschrift SIÖ.

Eine ordentliche Mitgliedschaft im Berufsverband der Sozialen Arbeit ist für Personen in Ausbildung sowie Berufsangehörige möglich. Einrichtungen und Organisationen, die der Profession verbunden sind, haben die Möglichkeit durch Abschluss einer Fördermitgliedschaft einen Beitrag zur Arbeit des Berufsverbands zu leisten. „Als Angehörige der Sozialen Arbeit wissen wir: Aufgeben tut man nur einen Brief. Solange es uns möglich ist, bleiben wir dran und setzen uns für ein Berufsgesetz der Sozialen Arbeit ein. Denn nur unsere Expertise stellt sicher, dass das lange überfällige Berufsgesetz so ausgestaltet wird, dass es mit gängigen Praxen und Ausbildungen in Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Übereinstimmung steht.“, sagt Julia Pollak, Geschäftsführerin des obds abschließend.

Österreichischer Berufsverband der Sozialen Arbeit
Julia Pollak
Telefon: +436505594651
E-Mail: pollak@obds.at
Website: https://www.obds.at

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