Von Gesundheitskrisen und dem Einzug ins Parlament: „Mein langer Atem“ von Franz-Joseph Huainigg
Buchpräsentation im Hohen Haus auf Einladung des Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner
Gestern Abend wurde im Parlament das neue Buch „Mein langer Atem“ des ehemaligen ÖVP-Nationalratsabgeordneten Franz-Joseph Huainigg präsentiert. Darin erzählt der seit dem Kleinkindalter mit einer Gehbehinderung lebende Huainigg von prägenden Erfahrungen in Beruf und Familie, von Notfällen, Hindernissen und abenteuerlichen Reisen. Im Laufe der Zeit verlor er weitere Körperfunktionen – seit Jahrzehnten lebt der Autor mit Beatmung und Assistenz. In seiner Zeit im Parlament setzte Huainigg Impulse für mehr Gleichstellung und Teilhabe. Heute engagiert er sich im ORF als Beauftragter für Barrierefreiheit und widmet sich in seinen Büchern zentralen Fragen rund um Behinderung und Gesellschaft.
Nach den Eröffnungsworten des Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner folgten Statements von der ehemaligen Bundesministerin Maria Rauch-Kallat, von Helene Daxecker-Okon, Lektorin beim Tyrolia Verlag, sowie von Franz-Joseph Huainigg selbst.
Der Autor und Journalist Heinz Janisch trug Anekdoten aus dem neuen Buch Huainiggs vor, die vom Einzug ins Parlament, Gesundheitskrisen und dem Leben mit Beatmung handelten. Musikalisch umrundet wurde die Veranstaltung vom Ensemble „mp8“.
HAUBNER: POSITIVE IMPULSE FÜR INKLUSION
24 Jahre nach seinem Einzug ins Parlament im Jahr 2002 erscheine nun das neue Buch von Franz-Joseph Huainigg, dessen Titel „Mein langer Atem“ nicht passender sein könnte, betonte der Zweite Nationalratspräsident und Gastgeber des Abends Peter Haubner. Von Huainigg seien viele positive Impulse für Menschen mit Behinderung ausgegangen. Durch seine Arbeit im Hohen Haus habe er Menschen sichtbar gemacht, die ansonsten im Verborgenen geblieben wären. So sei Huainigg die treibende Kraft hinter dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz gewesen, dessen 20-jähriges Jubiläum man heuer begehe. Zudem habe er sich für Barrierefreiheit und für Inklusion in Schulen sowie in der Arbeitswelt eingesetzt, zeigte sich Haubner beeindruckt.
Bei „Mein langer Atem“ handle es sich um keine klassische Biographie, sondern um biographische und persönliche Episoden, hielt die Moderatorin des Abends, Helene Daxecker-Okon vom Tyrolia Verlag, fest. Dabei gehe es um den Aufbau von Resilienz, Humor und Heiterkeit sowie um die Betrachtung der Dinge von verschiedenen Seiten, ohne „sich behindern“ zu lassen. Auch Daxecker-Okon verwies auf die Verdienste Huaniggs, wie etwa das Behindertengleichstellungsgesetz sowie die Anerkennung der Gebärdensprache.
RAUCH-KALLAT: MENSCHEN MIT BEHINDERUNG SOLLEN SELBST FÜR IHRE RECHTE KÄMPFEN
Menschen mit Behinderung sollten selbst für ihre Rechte kämpfen können, weshalb ihre Partizipation in der Politik entscheidend sei, unterstrich Maria Rauch-Kallat in ihrem Vortrag. Die ehemalige Bundesministerin war für Huainiggs Gang in die Politik mitverantwortlich. Wann immer dieser seine Stimme im ÖVP-Klub erhoben habe, sei er überzeugend gewesen und jede und jeder habe ihm zugehört. Gemeinsam habe man viel für das Thema Inklusion in Österreich erreicht, so Rauch-Kallat. Aber auch seit seinem Auszug aus dem Nationalrat im Jahr 2017 sei Huainigg immer noch aktiv und sprühe vor Ideen.
HUAINIGG: DIE MENSCHENWÜRDE GEHÖRT IN DER VERFASSUNG VERANKERT
Da im Buch viele Begegnungen und Geschichten aus seiner Zeit als Politiker vorkommen würden, sei die Möglichkeit der Präsentation im Hohen Haus für ihn „eine große Ehre“, betonte Franz-Joseph Huainigg. Der ehemalige Mandatar zeigte sich erfreut, in dieser Zeit „einiges bewegt“ zu haben. So habe es bei seinem Einzug ins Hohe Haus etwa „großes Kopfschütteln“ zu seinem Einsatz für die österreichische Gebärdensprache gegeben. Schlussendlich sei es aber gelungen, diese in die Verfassung aufzunehmen. Huainigg berichtete zudem auf humorvolle Art und Weise über schwierige politische Verhandlungen zum Behindertengleichstellungsgesetz sowie über die Herausforderungen als Abgeordneter mit Behinderung. Der Autor schloss seine Ausführungen wie seine Parlamentsreden mit: „Übrigens gehört die Menschenwürde in der Verfassung verankert“. (Schluss) med
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments.
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