RTR-Veranstaltung zu KI-Risiken, eIDAS 2 und der EUDI-Wallet
Vertrauen in Vertrauensdienste beruht auf Sicherheit, klaren Regeln und gemeinsamer Umsetzung
„Vertrauensdienste sind eine zentrale Dienstleistung für das Funktionieren einer digitalen Gesellschaft. Mit Künstlicher Intelligenz, eIDAS 2 und der European Digital Identity Wallet stehen wir gleichzeitig vor großen Chancen, aber auch vor neuen Risiken und erheblichen Umsetzungsherausforderungen. Es freut mich, dass wir diese Themen im Rahmen unserer Veranstaltung mit hochrangigen Expertinnen und Experten aus Regulierung, Konformitätsbewertung und Praxis diskutieren konnten“, sagt Klaus Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post, anlässlich der RTR-Veranstaltung zu aktuellen Entwicklungen bei Vertrauensdiensten.
Klaus Steinmaurer eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit Wolfgang Ebner, Sektionschef im Bundeskanzleramt und CDO des Bundes. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen KI-basierter Bedrohungen auf qualifizierte Vertrauensdienste, neue europäische Rechtsrahmen rund um eIDAS 2 sowie die Entwicklung des österreichischen EUDI-Wallets.
Peter Teufl, Geschäftsführer der A-SIT Plus GmbH, präsentierte im Auftakt die im Auftrag der RTR durchgeführte Studie „Sicherheitsrisiken für Vertrauensdiensteanbieter durch KI-basierte Bedrohungen“. Die Studie zeigt, dass KI die Sicherheitslandschaft digitaler Vertrauensdienste grundlegend verändert: von Risiken in der Implementierung und Zulassung über Deepfakes, Social Engineering und Angriffe auf Identifizierungs- und Signaturprozesse im laufenden Betrieb bis hin zu neuen Gefahren in der Beendigungsphase eines Dienstes. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass diese Risiken beherrschbar sind, wenn technische, organisatorische und regulatorische Maßnahmen systematisch zusammenspielen. Zentrale Elemente sind Security-by-Design, Zero-Trust-Prinzipien, sichere Hardware, klare Governance, Qualitätssicherung und die nachvollziehbare Dokumentation KI-generierter Artefakte.
An der anschließenden Diskussionsrunde nahmen neben Peter Teufl auch Boryana Uri (TÜV AUSTRIA), Ingolf Rauh (Swisscom) und Ramin Sabet (A-Trust) teil. Diskutiert wurden unter anderem die rasch veränderte Bedrohungslage durch KI-Angreifer, der sichere Umgang mit KI in der Softwareentwicklung, Anforderungen an belastbare Identifizierungsverfahren sowie die Frage, wie sich Konformitätsbewertungsstellen gegen KI-generierte Schein-Nachweise und gefälschte Dokumentation absichern können. Einigkeit bestand darin, dass Vertrauensdiensteanbieter, Prüfstellen und Aufsicht ihre Verfahren laufend anpassen müssen, um mit der Dynamik neuer Angriffsszenarien Schritt zu halten.
Im zweiten Teil der Veranstaltung gab Ulrich Latzenhofer, Leiter der Stabsstelle Elektronische Signaturen & Vertrauensdienste bei der RTR, in seinem Vortrag einen Überblick über die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen. Er verwies auf die hohe Komplexität der neuen Landschaft: Zahlreiche Durchführungsrechtsakte der Europäischen Kommission, ETSI-Standards sowie Bezüge auf ISO- und CEN-Normen bilden gemeinsam das Regelwerk, das künftig für Vertrauensdiensteanbieter, Konformitätsbewertungsstellen, Aufsichtsbehörden und staatliche Stellen maßgeblich ist.
Daniel Konrad von A-SIT beleuchtete im Anschluss die praktische Umsetzung dieser neuen Rahmenbedingungen in der Konformitätsbewertung. Seine zentrale Botschaft: A-SIT ist als Konformitätsbewertungsstelle für die neuen Anforderungen gut gerüstet. Durch die enge Einbindung in Normierungsprozesse und die rasche Integration neuer Prüfstandards in die Evaluierungsmethodik könne auf technische Entwicklungen und neue Angriffsszenarien schnell reagiert werden.
Gerald Dißauer von A-SIT gab in seiner Präsentation einen Einblick in die Entwicklung des österreichischen EUDI-Wallets. Österreich arbeite an einem modularen Wallet auf Basis der ID Austria mit dem Ziel, eine vertrauenswürdige Sicherheitsarchitektur für ein künftiges Vertrauensökosystem zu schaffen. Gleichzeitig verwies Dißauer auf das dynamische regulatorische und technische Umfeld: Dieses „Moving Target“ bringe Restrisiken mit sich und erfordere eine flexible Entwicklung sowie einen modularen Aufbau, der schrittweise erweitert werden kann. Auch die Zertifizierung des österreichischen EUDI-Wallets sei ein mehrstufiger Prozess mit mehreren Phasen, Schritten und Task-Gruppen. Zum Schluss des Vortragsteiles widmete sich Ingolf Rauh, Head of Compliance der Swisscom Trust Services, den Vorteilen und Herausforderungen von eIDAS 2. Positiv hervorzuheben sind etwa Vereinheitlichungen bei der Registrierung. Gleichzeitig entstehen aber neue Herausforderungen, insbesondere in der Übergangsphase und durch die große Zahl paralleler Anforderungen. Das Zusammenspiel von eIDAS 2 mit anderen Regulierungen muss nach seiner Meinung daher weitergedacht und überarbeitet werden.
In der abschließenden Diskussionsrunde mit Daniel Konrad, Gerald Dißauer, Boryana Uri, Christoph Klein (A-Trust) und Thomas Rössler (PrimeSign) standen Übergangsfristen, unfertige Standards, ausständige Begleitgesetzgebung, die praktische Akkreditierung und die grenzüberschreitende Interoperabilität des EUDI-Wallets und die damit für alle Stakholder entstehenden finanziellen und organisatorischen Herausforderungen im Fokus. Boryana Uri betonte, dass für das gesamte europäische Ökosystem eine gemeinsame und harmonisierte Umsetzung entscheidend sei. Neue Technologien und die wachsende Komplexität offener Anforderungen könnten nur gemeinsam von Vertrauensdiensteanbietern, Konformitätsbewertungsstellen und Aufsichtsstellen über die Mitgliedstaaten hinweg bewältigt werden.
Christoph Klein brachte dabei die Perspektive eines österreichischen Vertrauensdiensteanbieters ein, Thomas Rössler verwies auf die Bedeutung praxistauglicher Rahmenbedingungen für Innovation und Marktzugang, und die Diskussion machte insgesamt deutlich, dass Europa nur dann eine leistungsfähige und vertrauenswürdige digitale Identitätsinfrastruktur aufbauen kann, wenn Regulierung, Normung, Aufsicht und Marktteilnehmer eng zusammenarbeiten.
In seinen Schlussworten hielt Klaus Steinmaurer fest, dass Vertrauen in digitale Dienste künftig noch stärker von resilienten Sicherheitsarchitekturen, praktikablen Standards und europäisch abgestimmten Lösungen abhängen wird. „Künstliche Intelligenz ist dabei sowohl Risiko als auch Werkzeug. Entscheidend ist, dass wir technologische Entwicklung, Sicherheit und regulatorische Umsetzbarkeit gemeinsam denken“, so Steinmaurer und er ergänzt, „dass es auch wichtig ist bei den Vertrauensdiensten auch über neue Geschäftsmodelle nachzudenken, um den nachhaltigen Erfolg dieses europäischen Services langfristig zu sichern“
STUDIE ZU KI-BASIERTEN BEDROHUNGEN VERÖFFENTLICHT
Die im Auftrag der RTR erstellte Studie „Sicherheitsrisiken für Vertrauensdiensteanbieter durch KI-basierte Bedrohungen“ wurde zeitgleich mit der Veranstaltung veröffentlicht. Sie analysiert KI-basierte Risiken entlang des gesamten Lebenszyklus von Vertrauensdiensten und beschreibt technische, organisatorische und prozessuale Maßnahmen, mit denen sich Resilienz und Vertrauenswürdigkeit qualifizierter Vertrauensdienste nachhaltig stärken lassen. Die Studie ist auf der Website der RTR zum Download verfügbar (https://www.rtr.at/sicherheitsrisiken-fuer-vertrauensdiensteanbieter-durch-ki-basierte-bedrohungen).
ÜBER DIE RTR
Die „Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH“ (RTR) steht zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes. Ihre Kernaufgaben sind die Förderung des Wettbewerbs auf dem Medien-, Telekommunikations- und Postmarkt sowie die Erreichung der im KommAustria- und Telekommunikationsgesetz definierten Ziele. Sie wird von zwei Geschäftsführern geleitet und ist in die beiden Fachbereiche „Telekommunikation und Post“ (Klaus M. Steinmaurer) sowie „Medien“ (Wolfgang Struber) gegliedert. Als Geschäftsstelle unterstützt sie die Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria), die Telekom-Control-Kommission (TKK) und die Post-Control-Kommission (PCK). Weitere Informationen sind unter www.rtr.at veröffentlicht.
Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH)
MMag. Daniela Andreasch
Pressesprecherin Fachbereich Telekommunikation und Post
Telefon: 0158058401
E-Mail: daniela.andreasch@rtr.at
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