ÖÄK zum Welt-Drogen-Tag: Vorsicht vor Mischkonsum!
Sucht: Krankheit und Todesfälle durch besseres Hilfsangebot verhindern.
„Der Drogenkonsum in Österreich ist weitgehend stabil, birgt aber weiterhin ein hohes Gefahrenrisiko. Besorgniserregend ist insbesondere die Zunahme an hochriskantem Mischkonsum, der immer öfter Krankenhausbehandlungen nötig macht und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann“, nimmt Christian Korbel, Leiter des Referats für Substitutionsfragen in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), den Welt-Drogen-Tag am 26. Juni zum Anlass, auf gefährliche Entwicklungen hinzuweisen. Um die Zahl der Suchtkranken zu minimieren und suchtfördernden Faktoren entgegenzutreten, müssten Betroffene frühestmöglich in Suchthilfesysteme eingebunden werden.
Der Konsum der legalen Drogen Nikotin und Alkohol sei in Österreich laut Epidemiologiebericht Sucht 2025 der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) zwar weitgehend stabil, das Gefahrenpotenzial aktueller Entwicklungen dürfe aber nicht unterschätzt werden, sagt Korbel. Mit rund 24 Prozent täglich rauchender Menschen in Österreich sei die Nikotinabhängigkeit schließlich immer noch häufigste Sucht. „Hier ist – vor allem bei Jugendlichen – eine Verlagerung vom klassischen Zigarettenkonsum hin zu Produkten wie E-Zigaretten, Tabakerhitzern oder Nikotinbeuteln zu beobachten, von denen die meisten aber ebenfalls Nikotin enthalten und die Suchtgefahr somit nicht mindern. Acht Prozent der 15-Jährigen konsumieren täglich E-Zigaretten“, gibt Korbel zu bedenken. Bei Alkohol seien langfristig sowohl der problematische tägliche Konsum – zwei große Biere bei Frauen, drei große Biere bei Männern – als auch alkoholbedingte Erkrankungen zwar rückläufig, das Ausmaß des problematischen Konsums bei Erwachsenen sei mit etwa 15 Prozent aber weiterhin sehr hoch.
Bei den illegalen Drogen bleibe laut Epidemiologiebericht Cannabis die in Österreich am häufigsten konsumierte Substanz. Hier könne vor allem die Zunahme von synthetischen Cannabinoiden einen Grund zur Sorge bieten, da diese zusätzliche Gesundheitsrisiken darstellten. Auch der Konsum von Kokain, der unter den illegalen Stimulanzien am weitesten verbreiteten Substanz in Österreich, sei wieder im Ansteigen begriffen. Korbel: „Gesunkene Preise bei gleichzeitig stärkerer Dosierung haben dazu geführt, dass Kokain längst keine Droge der Reichen mehr ist.“ Je regelmäßiger diese Drogen konsumiert würden, desto höher sei die Gefahr, in eine Abhängigkeit zu geraten. „Zu den Hauptmerkmalen einer Sucht gehören u.a. Kontrollverlust über den Konsum, Vernachlässigung von Pflichten und Lebensbereichen wie Familie, Freunde oder Hobbys sowie die Fortsetzung des Konsums trotz gesundheitlicher Schäden“, weiß Korbel.
_Zwtl: Größte Gefahren: Opioide und Mischkonsum_
Am gefährlichsten bleibe der Konsum von Opioiden, also von Substanzen wie Heroin, Opium oder Morphium. Die Zahl der Menschen in Österreich mit risikoreichem Opioidkonsum, also einem Konsum, der mit körperlichen, psychischen und/oder sozialen Problemen einhergeht, werde auf mindestens 35.000 geschätzt. „Immerhin haben sich im Jahr 2024 mehr als 20.000 Betroffene in einer Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) befunden, was im internationalen Vergleich ein sehr guter Wert ist“, streicht Korbel positiv hervor.
Größten Anlass zur Sorge bietet die Zunahme an Mischkonsum mehrerer Substanzen, etwa die Kombination von Opioiden mit Alkohol, Psychopharmaka oder anderen Drogen. Bei den im Jahr 2024 untersuchten drogenbezogenen Todesfällen betrug der Anteil der Mischintoxikationen mit Opioiden 84 Prozent. „Vor allem bei Jugendlichen unter 25 Jahren nimmt diese hockriskante Mischung verschiedener Drogen deutlich zu. Es kommt dadurch immer wieder zu Notaufnahmen in Krankenhäusern und mitunter auch zu Todesfällen, da der Mischkonsum das Risiko für Überdosierungen massiv erhöht.“
_Zwtl: Hilfsangebote verbessern_
Um die Zahl der Menschen mit risikoreichem Opioid- und Mischkonsum zu reduzieren und suchtfördernden Faktoren wie etwa instabilen Lebensverhältnissen, sozialer Isolation, Arbeits- und Obdachlosigkeit oder Gewalt- und Missbrauchserfahrung entgegenzuwirken, müssten Betroffene so früh wie möglich in Suchthilfesysteme eingebunden werden, weiß der Facharzt für Psychiatrie. Diese müssten niederschwellig zugänglich sein und neben einem umfassenden Beratungs- und Hilfsangebot auch Unterstützung im psychosozialen Bereich bieten. „Dazu gehört Hilfe bei der Wohn-, Lern-, und Arbeitssituation, bei der Freizeitgestaltung, aber auch in Sachen Reintegration“, konkretisiert Korbel. Auch für ausreichende psychosoziale Behandlungsmöglichkeiten und für eine gute medizinische Versorgung müsse weiterhin Sorge getragen werden. Für letztere müssten u.a. auch mehr Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie ausgebildet werden, fordert Korbel.
Österreichische Ärztekammer/Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Ilona Gschmeidler
Telefon: +43 1 51406-3312
E-Mail: i.gschmeidler@aerztekammer.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender
Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.