Neue Präventionsstrategien gegen Cybergrooming, Extremismus und Kriminalität in Gaming-Welten

Erasmus+-Projekt DIGISAFE der Universität für Weiterbildung Krems entwickelt Empfehlungen für Pädagog_innen, Jugendarbeit und Eltern

Online-Games sind für viele Jugendliche soziale Treffpunkte: Hier entstehen Freundschaften, Gruppen und tägliche Kontakte. Doch dieselben Räume können auch für Cybergrooming, extremistische Anwerbung oder kriminelle Aktivitäten missbraucht werden. Das Erasmus+-Projekt „Digital Safety and Awareness: Fighting Extremism and Crime in Gaming Environments“, kurz DIGISAFE, an der Universität für Weiterbildung Krems entwickelt gemeinsam mit Jugendlichen, Pädagog_innen und Forschenden praxisnahe Präventionsstrategien.

Aktuelle Zahlen der Sicherheitsbehörden zeigen die Relevanz: Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 weist für Österreich 117 Anzeigen wegen Grooming bzw. Cybergrooming aus; als Kontaktorte werden neben sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten auch digitale Spiele genannt. Laut Verfassungsschutzbericht 2025 findet Radikalisierung zunehmend im digitalen Raum statt: Mehr als die Hälfte der islamistisch/jihadistisch motivierten Tathandlungen wurde im Internet gesetzt; unter den ausgeforschten Beschuldigten befanden sich 85 Jugendliche.

„Wir stehen Computerspielen ausgesprochen positiv gegenüber“, betont Spieleforscher Alexander Pfeiffer vom Department für Sicherheitsforschung der Universität für Weiterbildung Krems. „Gerade deshalb müssen wir auch jene Entwicklungen ernst nehmen, bei denen Spielwelten für kriminelle Aktivitäten missbraucht werden.“

RED FLAGS: WENN SPIELKONTAKTE RISKANT WERDEN

Im Zentrum des Projekts stehen sogenannte „Red Flags“: Warnhinweise, an denen Eltern, Pädagog_innen und Fachkräfte der Jugendarbeit problematische Entwicklungen erkennen können. Dazu zählen unerklärliche virtuelle Geschenke oder In-Game-Währungen, das rasche Verlagern von Gesprächen in private Kanäle wie Discord oder Messenger, auffällige Geheimhaltung, emotionaler Rückzug oder der Kontakt zu älteren Online-Bekanntschaften.

Auch bei extremistischer Radikalisierung können Veränderungen sichtbar werden: etwa Rückzug aus dem bisherigen Freundeskreis, die Übernahme rigider Überzeugungen, szenetypische Sprache oder Feindseligkeit gegenüber anderen Gruppen. Im Bereich digitaler Beschaffungskriminalität können gestohlene Accounts, der Verlust wertvoller virtueller Gegenstände oder plötzlich verfügbare hochwertige Items Warnzeichen sein.

Einzelne Hinweise bedeuten noch keine Gefährdung. Kommen mehrere Anzeichen zusammen, sollte dies Anlass für ein offenes, nicht moralisierendes Gespräch sein.

NICHT VERBIETEN, SONDERN VERSTEHEN

DIGISAFE setzt nicht auf Verbote. Eltern und Pädagog_innen sollen digitale Spiele nicht pauschal problematisieren, sondern sich für die Spielwelten junger Menschen interessieren, nachfragen und Gesprächsbereitschaft signalisieren. Entscheidend ist, Online-Games als Teil jugendlicher Lebensrealität ernst zu nehmen und Jugendlichen zu vermitteln, dass sie sich bei unangenehmen Kontakten, Drucksituationen oder Erpressungsversuchen Hilfe holen können.

„Wir möchten Pädagoginnen und Pädagogen dafür sensibilisieren, welche Red Flags sie erkennen können und wie sie Jugendliche unterstützen, bevor problematische Entwicklungen eskalieren“, erklärt Pfeiffer.

Ein besonderes Merkmal von DIGISAFE ist der partizipative Forschungsansatz. Jugendliche werden nicht nur als Zielgruppe betrachtet, sondern als Mitforschende einbezogen. Sie sehen Entwicklungen, die Forschende allein kaum erkennen können.

Angestrebte Ergebnisse sind Schulungsangebote und Handlungsempfehlungen für Schulen, Jugendarbeit und Eltern. Ziel ist es, digitale Resilienz zu stärken: Jugendliche sollen Risiken erkennen, problematische Kontakte einordnen und sichere Handlungsoptionen kennen.

SICHERHEITSKONFERENZ KREMS ALS FACHFORUM

DIGISAFE wird Zwischenergebnisse auf der 24. Sicherheitskonferenz des Departments für Sicherheitsforschung vorstellen. Die Konferenz findet am 21. Oktober in Krems in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und dem Bundesministerium für Innern statt und bietet ein Forum für Fachleute aus sicherheitsrelevanten Institutionen.

RED FLAGS AUF EINEN BLICK:

* Cybergrooming
* unerklärliche virtuelle Geschenke oder In-Game-Währungen
* rasche Verlagerung von Gesprächen auf private Kanäle wie Discord oder Messenger
* Drängen auf Geheimhaltung
* Einfordern von Bildern oder Videos
* sexualisierte Gespräche
* Vorschläge für Offline-Treffen
* bei Jugendlichen selbst: emotionaler Rückzug, auffällige Geheimhaltung der Online-Aktivitäten oder vage Erwähnung älterer „Freunde“

Extremistische Radikalisierung

* plötzlicher Rückzug aus dem bisherigen Freundeskreis
* rasche Übernahme rigider Überzeugungen
* Verwendung szenetypischer Sprache und Symbole
* zunehmende Feindseligkeit gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen

Beschaffungskriminalität

* Berichte über gestohlene Accounts oder Verlust wertvoller virtueller Gegenstände
* vorherige gefälschte Tauschangebote oder unter Druck weitergegebene Passwörter
* plötzliches Verfügen über hochwertige Items oder Accounts, die offensichtlich nicht selbst erspielt oder gekauft wurden
* möglicher Hinweis auf Beteiligung an illegalen Handelsstrukturen

Einzelne Warnsignale müssen noch keine Gefährdung bedeuten. Treten jedoch mehrere Anzeichen gemeinsam auf, sollte dies Anlass für ein offenes Gespräch sein.

Universität für Weiterbildung Krems
Department für Sicherheitsforschung
Dr. Alexander Pfeiffer
Telefon: +43 2732 893-2340
E-Mail: alexander.pfeiffer@donau-uni.ac.at

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