Beliebter Bischof statt radikalem Antisemiten: Dinghoferstraße soll in Zukunft Aichernstraße heißen

Einen brisanten Brief hat gestern der Linzer Bürgermeister DIETMAR PRAMMER erhalten. Darin fordern ihn viele bekannte Persönlichkeiten auf, einen braunen Fleck in seiner Stadt zu beseitigen: Noch immer ist in Linz eine Straße nach FRANZ DINGHOFER (1873 – 1956) benannt. Dinghofer war nicht nur Linzer Bürgermeister, Dritter Nationalratspräsident, Vizekanzler, Justizminister und Präsident des Obersten Gerichtshofs. Er war auch „radikaler Antisemit“ – so seine Selbstbezeichnung. Zu seinem persönlichen Profit beteiligte er sich an einer „Arisierung“, also dem Raub jüdischen Vermögens._ _1940 trat er der NSDAP bei.

In der Ersten Republik gehörte er der Großdeutschen Volkspartei an, die einen aggressiven Rassenantisemitismus vertrat. Sie diffamierte Juden als „Parasiten“ und hatte als einzige Parlamentspartei einen „Arierparagraphen“. 1933 schloss sie eine „Kampfgemeinschaft“ mit der NSDAP, in der sie dann aufging. Als Mitbegründer und langjähriger führender Repräsentant der Großdeutschen Volkspartei war Dinghofer ein ideologischer Wegbereiter der Reichspogromnacht und des Holocaust.

Der offene Brief, der vom MAUTHAUSEN KOMITEE ÖSTERREICH, der KATHOLISCHEN AKTION OBERÖSTERREICH sowie dem OÖ. NETZWERK GEGEN RASSISMUS UND RECHTSEXTREMISMUS verfasst worden ist, erinnert den Linzer Bürgermeister daran, dass er im November 2025 das „Dinghofer-Symposium“ der FPÖ mit klaren Worten kritisiert hat: „Ein ehrendes Andenken Dinghofers widerspricht den demokratischen Werten unserer Republik.“ Die nach Dinghofer benannte Straße in der Linzer Innenstadt ist auch ein ehrendes Andenken, wird festgestellt.

Die Absender des Briefes schlagen Prammer einen würdigen neuen Namensgeber vor: den heuer verstorbenen MAXIMILIAN AICHERN, der der katholischen Kirche der Diözese Linz von 1982 bis 2005 als beliebter Bischof vorstand.

„Als junger Mensch hatte Maximilian Aichern in Wien die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten miterlebt. Aus dieser Erfahrung heraus war er ein überzeugter Gegner des Faschismus. Engagiert vertrat er die Bischofskonferenz in unserem Kuratorium“, sagt WILLI MERNYI, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich.

„Bischof Maximilian war einer der wichtigsten Wegbereiter der Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Und er begegnete allen auf äußerst menschliche, zugewandte und liebenswürdige Art – Andersdenkende und Kirchenferne nicht ausgenommen“, erklärt GABRIELE HOFER-STELZHAMMER, Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich.

„Der verstorbene Altbischof der Diözese Linz hat ein ehrendes Andenken durch eine Straßenbenennung zweifellos verdient, der Judenhasser, ‚Arisierer‘ und Nationalsozialist Franz Dinghofer hat es nicht“, betont ROBERT EITER, Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

Der gemeinsame Brief der drei Organisationen wird breit und sehr prominent getragen: Unterzeichnet haben ihn angesehene Historiker wie HELMUT KONRAD, OLIVER RATHKOLB, GABRIELLA HAUCH, MARGIT REITER, DIRK RUPNOW und DORON RABINOVICI, Schauspielgrößen wie MIGUEL HERZ-KESTRANEK, ERWIN STEINHAUER, HARALD KRASSNITZER und JOSEF HADER, die Moderatorin und „ÖBB-Stimme“ CHRIS LOHNER, der Regisseur ANDREAS GRUBER, Schriftsteller wie Literaturnobelpreisträgerin ELFRIEDE JELINEK, PETER TURRINI, MICHAEL KÖHLMEIER, JOSEF HASLINGER, GERHARD RUISS, LUDWIG LAHER und GÜNTER KAINDLSTORFER, die früheren Minister FERDINAND LACINA, RUDOLF SCHOLTEN und ERWIN BUCHINGER, der Träger des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch, HANS-HENNING SCHARSACH, der Karikaturist GERHARD HADERER und der Intendant des Landestheaters Linz, HERMANN SCHNEIDER.

Aus den Kirchen scheinen beispielsweise die früheren evangelischen Bischöfe MICHAEL BÜNKER und MICHAEL CHALUPKA, die Direktorin der Diakonie Österreich, MARIA KATHARINA MOSER, der Präsident der Katholischen Aktion Österreich, FERDINAND KAINEDER, der Generalsekretär der Katholischen Aktion Oberösterreich, MANFRED HOFMANN, der Leiter des Bildungshauses Schloss Puchberg, CHRISTOPH BURGSTALLER, und der Vorsitzende der Pfarrer-Initiative, HELMUT SCHÜLLER, auf. CORNELIUS OBONYA hat als Präsident der Aktion gegen den Antisemitismus unterzeichnet, GUY DOCKENDORF als Präsident des Internationalen Mauthausen Komitees und JOSEF PUMBERGER als dessen Generalsekretär. MONIKA SALZER ist Vorsitzende der Omas gegen Rechts, HELENE KALTENBÖCK, Landessprecherin dieser Initiative in Oberösterreich.

Sie alle appellieren an Bürgermeister DIETMAR PRAMMER, im Geiste der demokratischen und antifaschistischen Werte der Republik zu handeln: Die Dinghoferstraße soll in Zukunft Aichernstraße heißen!
Offener Brief zum Download

Mauthausen Komitee Österreich
Willi Mernyi
Telefon: +43 (0) 664 103 64 65
E-Mail: info@mkoe.at
Website: https://www.mkoe.at

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