Creditreform PRIVATINSOLVENZSTATISTIK 1. Halbjahr 2026: Privatinsolvenzen steigen (kurzfristig) wieder
42 Insolvenzen pro Werktag
Während sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich zuletzt leicht rückläufig entwickelte, setzte im Juni bei den Privatinsolvenzen ein Aufwärtstrend ein. Sowohl im Gesamtjahr 2025 als auch bis einschließlich Mai 2026 waren die Privatinsolvenzen bislang rückläufig. Im Juni 2026 stieg die Zahl er eröffneten Schuldenregulierungsverfahren erstmals an und zwar um 47,7%, im Juli sogar um 68,7%. Grund dafür war das Auslaufen des s.g. Tilgungsplanverfahrens (für Nicht-Unternehmer), das Schuldnern eine Restschuldbefreiung schon nach drei Jahren ermöglichte, eine Maßnahme, die unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie seinerzeit eingeführt und auf fünf Jahre befristet wurde.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden nun 5.092 Privatinsolvenzen registriert. Das entspricht einem Anstieg von 5,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich mussten damit pro Werktag rund 42 Privatpersonen ein Schuldenregulierungsverfahren beantragen.
„Der plötzliche Anstieg der Privatinsolvenzen ist nicht zwingend Ausdruck der finanziellen Belastung vieler Haushalte, sondern lässt sich mit dem Auslaufen der besonders einfachen und schnellen Entschuldungsmöglichkeit für Privatpersonen erklären. Es war die richtige Entscheidung der Bundesregierung, den dreijährigen Tilgungsplan für Nicht-Unternehmer auslaufen zu lassen, da dieser einseitig zu Lasten der ohnehin unter Druck stehenden (Gläubiger-)Unternehmen ging und deren Rückzahlungsquote massiv verschlechterte“, erklärt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform.
Von den insgesamt 5.092 Verfahren entfielen 4.689 auf eröffnete Schuldenregulierungsverfahren. Gleichzeitig ging die Zahl der mangels Vermögens abgewiesenen Verfahren leicht auf 403 Fälle zurück. Damit gelangen mehr überschuldete Personen in ein geordnetes Insolvenzverfahren. Für Gläubiger bedeutet dies zwar einen geregelten rechtlichen Ablauf, wirtschaftlich bleiben Forderungsausfälle im hohen zweistelligen Prozentbereich jedoch vielfach unvermeidbar.
„Jede Privatinsolvenz bedeutet nicht nur die Chancen für einen Neustart des betroffenen Schuldners, sondern zugleich auch einen finanziellen Verlust für Gläubiger. Diese Verluste müssen letztlich von den Unternehmen und jenen redlich zahlenden, vertragstreuen Konsumenten getragen werden, die diesen Risikoaufschlag bezahlen.“
WIEN UND KÄRNTEN GEGEN DEN TREND
Die Entwicklung der Privatinsolvenzen zeigt deutliche regionale Unterschiede. Mit 1.735 Verfahren entfällt weiterhin rund ein Drittel aller Privatinsolvenzen auf Wien. Dennoch war die Bundeshauptstadt eines von nur zwei Bundesländern mit rückläufigen Fallzahlen (-1,4%). Mit 13 Privatinsolvenzen je 10.000 Erwachsenen weist Wien jedoch weiterhin die höchste Insolvenzquote Österreichs auf.
Besonders stark nahmen die Privatinsolvenzen in jenen Bundesländern zu, die in den vergangenen Jahren vergleichsweise stabile Entwicklungen verzeichnet hatten:
· Burgenland: +15,9%
Österreichischer Verband Creditreform
Mag. Gerhard M. Weinhofer
Telefon: +43-1-2186220-551
E-Mail: g.weinhofer@wien.creditreform.at
Website: https://www.creditreform.at
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