Defizitäre stationäre Versorgung im Burgenland: mit Herzchirurgie, aber ohne Herz für Kinder und Jugendliche
Wie aktuellen Medienberichten und Interviews mit dem Landeshauptmann des Burgenlands, Herrn Hans Peter Doskozil, zu entnehmen ist, scheint die Spitalsversorgung im Burgenland bestens aufgestellt zu sein. Während Pläne für den Aufbau einer Herzchirurgie weiterverfolgt werden, bleiben andere Bereiche der Gesundheitsversorgung seit Jahren völlig unberücksichtigt. Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (ÖGKJP) weist daher erneut darauf hin, dass das Burgenland als einziges Bundesland Österreichs bis heute keinen einzigen stationären Behandlungsplatz für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche bereithält.
Man könnte dies zunächst für ein Randthema halten. Angesichts der Faktenlage ist diese Einschätzung jedoch nicht haltbar: In der letzten großen repräsentativen Erhebung zur psychischen Gesundheit in Österreich war mehr als jede bzw. jeder fünfte Jugendliche von einer psychischen Erkrankung betroffen. Darüber hinaus weist die Global Burden of Disease Study der Weltgesundheitsorganisation (WHO) psychische Erkrankungen in der Altersgruppe der Fünf- bis Vierundzwanzigjährigen als die bedeutendste Ursache für Krankheitslast ohne tödlichen Ausgang aus.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum das Burgenland, das laut öffentlich getätigten Aussagen eine hervorragende Spitalsversorgung bereitstellt, weiterhin nicht in der Lage ist, im Bereich psychischer Erkrankungen auch nur basalste Leistungen zu erbringen und stationäre Kapazitäten für die Behandlung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher bereitzustellen. Weshalb werden psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche weiterhin nicht angemessen in die stationäre Gesundheitsversorgung des Burgenlands integriert, während andere Bereiche des Spitalswesens großzügig ausgebaut werden?
Aus Sicht der ÖGKJP stellt dies ein gravierendes Versäumnis der Landespolitik dar. Psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter dürfen nicht länger marginalisiert werden, sondern müssen den gleichen Stellenwert in der Gesundheitsversorgung erhalten wie somatische Erkrankungen. Sie verursachen hohes Leid, weisen unbehandelt einen hohen Beeinträchtigungsgrad auf und verursachen hohe Folgekosten. Auch Kinder und Jugendliche im Burgenland haben Anspruch auf eine wohnortnahe, qualitätsgesicherte stationäre Versorgung – so wie sie in allen anderen Bundesländern längst selbstverständlich ist.
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizinische
Universität Wien, Universitätsklinikum AKH
Univ.Prof.Dr. Paul Plener, MHBA
Telefon: +43 (0)1 40400 – 30115
E-Mail: paul.plener@meduniwien.ac.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender
Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.