Österreich übernimmt Schlüsselrolle im europäischen Kampf gegen organisierte Kriminalität
Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit bei EMPACT-Ergebnispräsentation in Rom, 14. Juli 2026
Österreich spielt eine zentrale Rolle im europäischen Kampf gegen organisierte Kriminalität. Am 14. Juli 2026 wurde in Rom die Bilanz der vergangenen zwei Jahre von EMPACT (European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats), dem zentralen Instrument der Europäischen Union zur Bekämpfung schwerer und organisierter Kriminalität, präsentiert. Die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit trägt durch das Bundeskriminalamt als Co-Driver der EMPACT-Priorität „High Risk Criminal Networks“ maßgeblich zu grenzüberschreitenden Ermittlungserfolgen bei. Neben dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, nahmen Vertreter des italienischen Innenministeriums, Europol sowie der Sicherheitsbehörden aus Belgien, Spanien und Irland an der Präsentation in Rom teil.
Innenminister Gerhard Karner dankte der Plattform EMPACT und allen beteiligten Ermittlungsbehörden für die hervorragende Zusammenarbeit: „Organisierte Kriminalität macht vor Ländergrenzen nicht Halt – genau deshalb ist die grenzübergreifende koordinierte Zusammenarbeit enorm wichtig. Hunderte internationale Ermittlungen und Festnahmen beweisen die Schlagkraft dieser Zusammenarbeit.“
BEKÄMPFUNG VON KRIMINELLEN NETZWERKEN
Die europäische Bilanz für die Jahre 2024 und 2025 zeigt die Bedeutung der gemeinsamen Vorgangsweise. Sicherheitsbehörden aus 50 Staaten leiteten 977 internationale Ermittlungen ein und führten 171 gemeinsame Polizeioperationen durch. Dabei wurden 1.279 Personen festgenommen. Außerdem konnten rund 27 Tonnen Suchtmittel, darunter mehr als 14 Tonnen Kokain, sowie mehr als neun Millionen Euro Bargeld und Kryptowährungen im Wert von nahezu 83 Millionen Euro sichergestellt werden. Neben den Ermittlungen vor Ort setzt EMPACT auch auf den Austausch von Wissen und Informationen. Im Berichtszeitraum 2024/2025 wurden 399 kriminalanalytische Berichte erstellt, 128 Fachkonferenzen, strategische Treffen und Workshops abgehalten sowie 13 spezialisierte Ausbildungsmaßnahmen mit Unterstützung der europäischen Polizeiakademie CEPOL durchgeführt.
„Organisierte Kriminalität kennt keine Staatsgrenzen. Nur wenn Sicherheitsbehörden Informationen teilen, Ermittlungen gemeinsam führen und ihre Kräfte bündeln, können kriminelle Netzwerke nachhaltig zerschlagen werden. Österreich bringt seine kriminalpolizeiliche Expertise aktiv in EMPACT ein und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Menschen in Europa“, sagte Ruf.
Ein wesentlicher Erfolg in der europäischen Bekämpfung von kriminellen Netzwerken war die im Zeitraum 2021 bis 2025 von Österreich und Kroatien gemeinsam mit Europol geführte Operational Task Force „Balkan Cartel“. Daran beteiligten sich Sicherheitsbehörden aus zehn weiteren Staaten. Durch die Auswertung verschlüsselter Kommunikationsdienste wie ANOM und Sky ECC konnten mehr als 700 Beschuldigte festgenommen und 32 sogenannte High-Value-Targets verhaftet werden. Zudem wurden mehr als 22 Tonnen Kokain sowie Vermögenswerte im Wert von rund 156 Millionen Euro sichergestellt. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen unmittelbar in weitere internationale Ermittlungen ein.
EMPACT – EUROPEAN MULTIDISCIPLINARY PLATFORM AGAINST CRIMINAL THREATS
Die EMPACT (European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats) ist das zentrale Instrument der Europäischen Union zur Bekämpfung schwerer und organisierter Kriminalität. Für einen vierjährigen EMPACT-Zyklus definieren die Mitgliedsstaaten gemeinsame Schwerpunkte. Im Schwerpunkt „High Risk Criminal Networks“ wurden unter der Leitung Italiens und mit zentraler Unterstützung von Europol 32 operative Maßnahmen gegen besonders gefährliche kriminelle Organisationen umgesetzt. Österreich, Belgien und Spanien gestalten als Co-Driver die strategische und operative Zusammenarbeit maßgeblich mit.
„Die Erfolge von EMPACT beruhen auf dem engen Zusammenwirken der europäischen Sicherheitsbehörden. Unter italienischer Leitung wurden 32 operative Maßnahmen umgesetzt. Die Bilanz mit 977 internationalen Ermittlungen und 171 gemeinsamen Polizeioperationen zeigt, welche Schlagkraft Europa entwickelt, wenn wir gemeinsam entschlossen handeln“, sagte Vittorio Pisani, italienischer Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit.
Kriminelle Netzwerke aus dem Westbalkan haben sich seit den 2000er-Jahren zu weltweit agierenden Organisationen entwickelt. Sie kontrollieren internationale Kokainhandelsrouten und verfügen über Verbindungen nach Lateinamerika, Afrika und Australien. Darüber hinaus sind sie unter anderem in Geldwäsche, Waffenhandel, Korruption und schwerste Gewaltkriminalität bis hin zu Auftragsmorden verwickelt. Österreich übernahm im EMPACT-Zyklus 2022 bis 2025 den Action-Lead in den Schwerpunktbereichen „Organisierte Kriminalität am Balkan“ und „Illegales Glücksspiel“.
„Österreich liegt im Herzen Europas und wird daher von international agierenden Tätergruppen als Transitland, Absatzmarkt sowie als Rückzugs- und Logistikstandort genutzt. Besonders die Balkan-Kartelle stellen eine erhebliche Bedrohung dar. Nicht nur für Österreich, sondern für ganz Europa. Diese Netzwerke können nur durch konsequente internationale Zusammenarbeit wirksam bekämpft werden. Österreich leistet seinen Beitrag“, betonte Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, während der Pressekonferenz in Rom.
„Festnahmen alleine reichen nicht aus. Die gefährlichsten kriminellen Netzwerke agieren nicht isoliert. Sie sind Teil eines eng vernetzten kriminellen internationalen Systems, deshalb können sich diese Netzwerke rasch neu organisieren. Deshalb müssen auch die Strafverfolgungsbehörden enger zusammenarbeiten. Genau dafür stehen Europol und EMPACT“, betonte Jürgen Ebner, interimistischer Executive Director von Europol.
Die erfolgreiche Zusammenarbeit wird auch im EMPACT-Zyklus 2026 bis 2029 fortgesetzt. Der bisherige Schwerpunkt „High Risk Criminal Networks“ wird unter der Bezeichnung „Most Threatening Criminal Networks and Individuals“ (MTCNI) weitergeführt.
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