Tourismusausschuss: Kostdruck der Betriebe dämpft Freude über neuen Nächtigungsrekord

Abgeordnete werden Tourismusbericht 2025 auch im Plenum diskutieren

Über den steigendenden Kostendruck für Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe diskutierte heute der Tourismusausschuss des Nationalrats. Denn trotz der erneut gestiegenen Nächtigungszahlen im heimischen Tourismus bleibt die wirtschaftliche Situation für viele Betriebe herausfordernd. Grundlage für die Debatte bot der vom Wirtschaftsministerium vorgelegte Bericht „Tourismus in Österreich 2025“ (III-359 d.B.).

Als Auskunftspersonen zum Bericht standen den Abgeordneten im Ausschuss Peter Laimer (Statistik Austria) und Oliver Fritz (WIFO) zur Verfügung. Der Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen und wird auf Wunsch aller Fraktion im Plenum diskutiert werden.

ZEHETNER: „REKORDE ALLEIN SIND ZU WENIG“

Mit 157,3 Mio. Nächtigungen im heimischen Tourismus gab es im Vorjahr wieder einen neuen Höchstwert. Der Tourismusbericht zeige die Stärke Österreichs in dieser Branche, doch Rekorde allein seien zu wenig, sagte Tourismusmusstaatsekretärin Elisabeth Zehetner. Denn höhere Kosten bei Energie, Lebensmittel und Personal würden den Betrieben zu schaffen machen. Die Inflationsbekämpfung zähle daher zu den obersten Zielen der Bundesregierung, so die Staatssekretärin. Sie verwies außerdem auf die bereits vorgelegte Tourismusstrategie „Vision T“. Diese würde klare Ziele bis zum Jahr 2035 enthalten, beispielsweise hinsichtlich der Steigerung der realen Wertschöpfung und der Tourismusakzeptanz sowie der Anzahl der Ganzjahresbeschäftigten.

Weiters informierte Zehetner die Abgeordneten über einen geplanten KI-Aktionsplan, der gemeinsam mit der Österreich Werbung erstellt werden soll. Dieser solle dazu beitragen, dass heimische Tourismusbetriebe in der „neuen, digitalen Welt“ auffindbar werden, so die Staatssekretärin.

MEHR GÄSTE AUS DEM IN- UND AUSLAND

Eine steigende Nachfrage im heimischen Tourismus gab es laut Tourismusbericht im Vorjahr sowohl von inländischen Gästen (40,5 Mio. Übernachtungen, +0,5 %) als auch von Gästen aus dem Ausland (116,8 Mio., +2,4 %). Während auch die Zahl der Ankünfte einen Anstieg von 3,1 % auf 48,2 Mio. verzeichnete, ging die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste pro Unterkunft weiter zurück. Demnach verweilte im Durchschnitt ein Gast 3,27 Nächte (2024: 3,30 Nächte) in derselben Unterkunft. In Hotellerie und Gastronomie unselbstständig beschäftigt waren im Vorjahr 228.634 Menschen.

GÄSTE HABEN PREISSTEIGERUNGEN AKZEPTIERT

Die Wertschöpfung der Tourismusbranche wurde laut Tourismusbericht für das Jahr 2025 mit 33,1 Mrd. Ꞓ berechnet – dies entspricht rund 6,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Die unmittelbare Wertschöpfung der Freizeitwirtschaft dürfte Schätzungen des WIFO zufolge laut Bericht auf 26,1 Mrd. Euro (+2,9 %) gestiegen sein.

Die realen Wertschöpfungsgewinne im Tourismus seien jedoch aufgrund der gestiegenen Kosten verhalten, sagte Oliver Fritz (WIFO). Es sei den Betrieben zwar gelungen, signifikante Preissteigerungen an die Gäste teilweise weiterzugeben, allerdings konnten vor allem die Lohnsteigerungen nicht überwälzt werden. Den Betrieben bleibe somit schlussendlich weniger übrig, so Fritz. Die Gäste hätten die höheren Preise für Beherbergung und Gastronomie akzeptiert, würden allerdings im Urlaub insgesamt sparsamer agieren als zuvor.

Als längerfristige Herausforderungen für den heimischen Tourismus nannten die beiden Experten die Arbeitskräfteknappheit, die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe, Übertourismus sowie die Auswirkungen des Klimawandels. Zudem sei durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten ein weiteres unerwartetes Ereignis eingetreten, das sich auf die Branche auswirke. Die Nachfrage von Gästen aus dem arabischen Raum sowie aus Asien habe dadurch abgenommen. Da der Anteil von Gästen aus arabischen Ländern an allen Ankünften in Österreich im Jahr 2025 nur rund 1,1 % ausgemacht habe, stelle dies für den heimischen Tourismus insgesamt kein gravierendes Problem dar, in bestimmten Tourismusregionen seien aber merkbare wirtschaftliche Einbußen zu erwarten, so die Experten.

GEFAHREN UND UNTERSTÜTZUNG FÜR DEN HEIMISCHEN TOURISMUS

In der Debatte über den Tourismusbericht sah Michael Fürtbauer (FPÖ) aufgrund der zunehmenden Beliebtheit von gewerblichen Ferienwohnungen eine Gefahr für die „heimische Kulinarik“ und klassische Wirtshäuser. Experte Oliver Fritz (WIFO) gab zu bedenken, dass die Zunahme an Ferienwohnungen ein weltweiter Trend sei und es sich schwierig gestalte, von Gästepräferenzen wieder wegzukommen. Insbesondere im Zusammenhang mit der Covid-Pandemie hätten Ferienwohnungen an Beliebtheit gewonnen, als die Menschen zu anderen Urlaubsgästen möglichst viel Abstand halten wollten.

Nach der Veränderung des Marktanteils der europäischen Gäste im heimischen Tourismus erkundigte sich Christian Schandor (FPÖ). Oliver Fritz (WIFO) informierte darüber, dass dieser über viele Jahre sehr stabil gewesen sei, sich aktuell jedoch verschlechtere. Verantwortlich dafür könnten einerseits die gestiegenen Preise, andererseits auch die Verbreiterung des touristischen Angebots innerhalb Europas sein. Denn Albanien und Montenegro würden sich als neue Destinationen etablieren und Skandinavien sei für den Sommerurlaub sehr populär geworden.

Tina Angela Berger (FPÖ) und Katrin Auer (SPÖ) sprachen die bevorstehende Welle an Betriebsübergaben im Tourismus an und fragten nach Unterstützung für die Betroffenen. Staatssekretärin Zehetner verwies dazu auf die „Nachfolge-Taskforce“ von Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer, ein Mentoringprogramm sowie die „Businessplanförderung“ zur Unterstützung von Betriebsübergaben im Tourismus im ländlichen Raum.

Nach näheren Details zur Nächtigungsstatistik und den Motiven der Reisenden in Österreich, fragte Christoph Steiner (FPÖ). Dazu gebe es nur eine eingeschränkte Datenlage, antwortete Staatssekretärin Zehetner. Bei der Konzeption des geplanten, digitalen Gästeblatts sei eine Abfrage von Reisemotiven angedacht. Dadurch gewonnene Zusatzinformationen könnten helfen, einen noch besseren Überblick über aktuelle Entwicklungen zu erhalten, so Zehetner.

Gabriel Obernosterer (ÖVP) unterstrich die Stärke und Bedeutung des heimischen Tourismus. Aufgabe der Politik sei es, die Betriebe durch Entbürokratisierungsmaßnahmen zu entlasten. Daran würde die Bundesregierung auch bereits arbeiten, betonte der Abgeordnete.

Von Melanie Erasim (SPÖ) darauf angesprochen, wie die Ganzjahresbeschäftigung in der Tourismusbranche weiter gefördert werden könne, sagte Staatssekretärin Zehetner, dass an der „Entzerrung der Saisonen“ gearbeitet werde. So werde beispielsweise gemeinsam mit dem Sport- und Landwirtschaftsministerium eine Mountainbikestrategie erstellt, die dazu beitragen solle, touristische Angebote zu verbreitern.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im Tourismus fragte Ines Holzegger (NEOS) nach dem Entbürokratisierungspotential bei der Rot-Weiß-Rot-Karte. Dies falle in die Zuständigkeit des Sozial- und Arbeitsministeriums, sagte Staatssekretärin Zehetner und verwies weiters auf das Regierungsprogramm, in dem Vereinfachungen und Digitalisierungsmaßnahmen für die Rot-Weiß-Rot-Karte vereinbart sind.

Barbara Neßler (Grüne) sah die steigende Nächtigungszahl als erfreulich und wollte von den beiden Experten wissen, wie dem bestehenden „Ertragsproblem“ entgegengewirkt werden könnte. Oliver Fritz (WIFO) empfahl Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung der Betriebe durch eine Verbesserung der Auslastung insbesondere in den Zwischensaisonen. Er machte außerdem drauf aufmerksam, dass die Anzahl an verfügbaren Betten noch stärker ansteige, als die Nächtigungen. Damit seien in manchen Regionen sehr viele Betten am Markt, was den Wettbewerb antreibe. Weiters verwies er auf den „Qualitätswettbewerb“ in der Branche. So würden Betriebe große Investitionen tätigen, beispielsweise in moderne Wellnessbereiche, die später allerdings nur wenig ausgelastet seien und hohe Kosten verursachen können. Auch dies hätte negative Auswirkungen auf Gewinne, so Fritz. (Schluss Tourismusausschuss) bea

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